• Die beteiligten Musiker mit den Moderatoren Helen Konzett und Verena Bühler. 	Bild: Mirjam Kaiser
    Die beteiligten Musiker mit den Moderatoren Helen Konzett und Verena Bühler. Bild: Mirjam Kaiser

Fiktive Bands zum Leben erweckt

Pünktlich zu 299 Jahre Liechtenstein hat sich das Literaturhaus etwas Spezielles einfallen lassen und präsentierte am Freitag im Schlösslekeller in Vaduz das «The Under- & Overland Songbook» mit 19 fiktiven Bands und 72 dazugehörigen Liedern.

Bereits im Foyer des Schlössle-kellers konnten die Besucher in die Musikgeschichte der 1960er bis heute eintauchen, denn dort präsentierten die Teilnehmer des Vorkurses der Kunstschule die Plattencovers zu den Alben der 19 im «Under- & Overland Songbook» vertretenen Bands. 19 Autoren aus der Region kreierten für das Singbuch, das als 11. Jahrbuch des Literaturhauses erschien, je eine Band mit mehreren dazugehörigen Liedern. Hinter den Bands stecken jedoch auch zahlreiche kreative Bandgeschichten wie zum Beispiel die der Punkband Vählüna, die 1969, «zehn Jahre zu früh» den hiesigen Punk erfand. Ebenso einfallsreich wie die dazugehörigen Geschichten lesen sich die Bandnamen: «The Balzers Bottom Stompers Blues Band» von Hans Gysi, «Les pommes düchesses» von Nancy Barouk-Hasler oder «Tubutsch» von Christian Futscher. So fiktiv wie die Bands erschienen, waren sie dann doch nicht, denn hinter den 19 Autoren steckten mehrere reale Liedermacher wie zum Beispiel Roman Banzer (bekannt als Songwriter von Zotoff), Simon Deckert oder auch Moritz Schäder (MoreEats). Und nicht zuletzt wurden bei der Buchpräsentation fünf der 72 Lieder von lokalen Musikern zum Leben erweckt und auf der Schlösslekeller-Bühne präsentiert.

Reggae-Sänger als keltischer Sauerklee
Nicolaj Georgiev alias The Little Unknown erhielt die Aufgabe, zwei Lieder der Formation «Oxlis Fontana» (=Aufrechter Sauerklee) von Susanna Mathis einzustudieren. Die 1969 gegründete Band brilliert durch keltisch-angelsächsische Folkmusik in englischer Sprache. Auch Nicolaj singt meist in Englisch und performte die Lieder «King of diamonds» und «back then in spring». Trotz des keltisch-angelsächsischen Einschlags drangen die «The Little Unknown»-typischen Reggae-Einflüsse in der Interpretation durch. «Diese Abweichung kommt daher, dass ich mich mit meiner Band schon seit längerer Zeit zerstritten habe», erklärt Georgiev grinsend. Eine ähnlich schwierige Aufgabe hatte die Berner Musikerin mit Unterländer Wurzeln, Bella Farny, die sich ausgerechnet die Dialektband «Schaan Post» von Arno Löffler aussuchte. Die Schaaner Post als Hot Spot für harte Kerle mit attraktiver Begleitung inszenierte Löffler in urchigem Dialekt mit dem Musikstil der Zukunft: Grime. Mit zarter Gitarrenbegleitung inszenierte Farny das «Joggingaazögle» und «Säg du miar, wo mini Brillan isch». Mit Textzeilen wie «S Läba wär unendlig und vollschtendig bös, wenn mis schö farbafroh Joggingaazögle ned wär» beschrieb Löffler detailreich das Leben im «Ghetto von Schaan». Trotz musikalischem Spannungsbogen, den Farny aufbaute, kamen die eingebauten Gags nicht wirklich rüber, da der Schaa-Poscht-Reim mehr berndeutsch wie schaanerisch klang.


Wunsch, weitere Lieder umzusetzen
Mit der Band Heria, die an diesem Abend ihren ersten Auftritt bravourös meisterte, wurde es lauter, denn die fünf jungen Musiker hatten die Aufgabe, Stefan Sprengers Punkband «Vählüna» darzustellen. Mit harten Riffs, lauten Bässen, einem treibenden Schlagzeug und mystischen Texten erweckten sie nicht nur die Zuschauer, sondern auch die frühe Punkband aus den späten 60ern zum Leben. «Es gehört zum Punk dazu, dass man den Text nicht versteht; das habt ihr völlig richtig gemacht», scherzte Autor Stefan Sprenger nach der Aufführung. Dem Literaturhaus Liechtenstein ist es ein Anliegen, weitere der durchwegs ausgefeilten Liedtexte musikalisch umzusetzen. «Wir hoffen, dass Bands die Texte aufnehmen», sagte Helen Konzett. Dies war auch die Idee von Hansjörg Quaderer, als er das Liederbuch vorschlug: «Wir dachten, dass wir Bands erfinden und dann Leute anfragen, ob sie die Lieder spielen möchten.» Der erste Abend zeigte, dass dies durchaus zu spannenden Kombinationen führen kann und schreit nach einer Wiederholung. (mk) 

26. Nov 2017 / 21:23
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