• Hansjörg Frick, Vaduz
    Hansjörg Frick ist soziokultureller Animator und leitet als Präsident den Verein für Männerfragen.  (Tatjana Schnalzger)

«Der Regierung fehlt einfach der Mut»

Der Verein für Männerfragen unterstützt Männer in Notlagen. Ganz im Gegensatz zu den Frauenorganisationen erhielt der Verein kaum Zustupf aus der Staatskasse. Präsident Hansjörg Frick wünscht sich 140 000 Franken – oder ein geschlechterübergreifendes Angebot.

Der Tenor, den der Verein für Männerfragen im Newsletter derzeit anschlägt, ist eher provokativ:  «Wir hoffen, dass mit Blick auf die 170 Millionen Gewinn im letzten Jahr unser Verein nach neun Jahren endlich eine Leistungsvereinbarung und finanzielle Unterstützung erhält, die unserer Arbeit gerecht wird und Chancengleichheit ermöglicht», schreibt Präsident Hansjörg Frick. Genauer gesagt sind es 140 000 Franken jährlich, um die der Verein 2014 beim Ministerium für Gesellschaft angesucht hat. Hansjörg Frick findet den Betrag gerechtfertigt: «Der Betrag entspricht ungefähr einem Viertel dessen, was die beiden Frauenorganisationen Infra und Frauenhaus erhalten.» Die Erstberatung in rechtlichen Fragen bei der Fachstelle, das Coaching, der geplante Vatercrashkurs sowie verschiedene Referate unter dem Jahr würden die 4000 Franken, die die Regierung jährlich zur Verfügung stellt, regelrecht verschlingen. Auch das Geld, welches der Verein für seine E-Ratgeber  bekommen hat, sei nicht ausreichend. 

Verein rechnet mit Verlust 
«Dabei sind die Anzahl der Erstberatungen sehr gestiegen», so Frick. Allein per 30. April hätten 35 Männer das Beratungsangebot genutzt. Im vergangenen Jahr waren es 85 Beratungen. «Wenn das so weiter geht, schreiben wir bis Ende Jahr in diesem Bereich ein Defizit von 8000 Franken», erklärt der gelernte soziokulturelle Animator. Für den Vatercrashkurs (s. Box) ist der Verein noch auf der Suche nach finanziellen Unterstützern. In der Novembersitzung des Landtages beantwortete Gesellschaftsminister Mauro Pedrazzini eine Kleine Anfrage bezüglich der Förderung des Vereins und erklärte, dass grundsätzliche Abklärungen betreffend einer Leistungsvereinbarung im Gange seien. «Zwischenzeitlich haben wir Signale erhalten, dass eine Leistungsvereinbarung mit uns möglich wäre», erklärt Frick. 

«Wir kreiden dieses Unverhältnis an»
Dass man als Verein auch bei staatlicher Unterstützung um jeden Rappen kämpfen müsse, sei Hansjörg Frick von Anfang an bewusst gewesen. Der Blick ins Nachbarland Schweiz zeigt, dass Vereine wesentlich weniger grosszügig gefördert werden. «Hier gibt es einen klaren Unterschied zur Schweiz. Ein Fussballclub ist zwar ein Verein, bekommt aber hierzulande die Infrastruktur zur Verfügung gestellt.» Er sieht den Verein für Männerfragen in erster Linie aber nicht nur als Verein, sondern als Beratungsstelle – so wie das Frauenhaus oder die Infra.

Genau hier liegt wohl auch Kern des Problems: «Wir kreiden vor allem dieses Unverhältnis an. Allein das Frauenhaus erhält 300 000 Franken, die Infra 195 000 Franken.» Krisenintervention sei auch ein Thema beim Verein für Männerfragen, wie beim Frauenhaus: «Bei uns sind die Männer meistens auch in Notlagen. Es geht meist um eine Scheidung und die Obhut der Kinder. » Zudem könne der Verein auf zwei Wohnungen zurückgreifen, sodass Familien, Vätern und Männern in Notlagen eine Unterkunft geboten werden kann.» Denn das Schlimmste für einen Mann sei, wenn er bei einer Trennung ausziehen muss und plötzlich ohne Wohnung und soziale Kontakte dasteht. Im vergangenen Jahr wurde das Unterkunfts-Angebot von zwei Männern genutzt. Auch häusliche Gewalt sei bei Männern ein Thema, wobei die Dunkelziffer gemäss Frick viel höher sei. Häufig gehe einer körperlichen Gewalt eine psychische voran. «Häusliche Gewalt muss man differenziert betrachten und hinter die Fassade schauen.»

Diese Differenzierung fehle zum Beispiel dem Frauenhaus gewissermassen: «Kommt eine Frau zum Frauenhaus, steht allein sie im Mittelpunkt. Wir hingegen versuchen, möglichst auch die Kinder und das Umfeld der Männer – inklusive der Frau – in die Beratung einzubeziehen, sodass es allen Beteiligten gut geht», erklärt der Präsident.

Miteinander statt gegeneinander
Die Krisenberatung für Mann und Frau zu kanalisieren, komme für den Verein für Männerfragen durchaus in Frage: «Ich finde es wichtig, dass wir zum Beispiel mit dem Frauenhaus und der Infra näher zusammenarbeiten könnten», sagt Frick. Er könne sich eine kostenlose Beratungsstelle sowie ein Opferhaus vorstellen, bei dem sowohl Frauen, Kinder und Männer in der Not Schutz suchen können. Diese Ideen habe der Verein beim Antrag für eine Leistungsvereinbarung im Jahr 2014 auch angebracht. «Ich denke, dass der Regierung einfach der Mut fehlt. Würden sie ein Teil des Geldes den Männern zur Verfügung stellen, hätten sie die Frauenorganisationen gegen sich», meint Frick. Für eine gemeinsame Zusammenarbeit sei zudem ein Paradigmenwechsel, eine Abkehr von Stereotypen nötig.

«Wir sind bereit für eine Zusammenarbeit. Ob die Frauenorganisationen uns als offen und bereit dafür wahrnehmen, ist aber fraglich.» Dazu hat wohl nicht zuletzt die öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzung beigetragen. «Wenn die Politik ganz klar gesagt hätte, dass der Verein für Männerfragen den Leistungen eine entsprechende, zusätzliche Förderung benötigt, würde das bei den Frauenorganisationen wohl nicht auf so viel Widerstand stossen», erklärt Hansjörg Frick.  Ungerecht behandelt würden sich die Männer vom Verein nicht fühlen, eine fehlende Chancengleichheit sei aber durchaus spürbar. 

Für die Zukunft des Vereins sieht Frick drei Szenarios: «Am wahrscheinlichsten ist, das wir einen Betrag im unteren Bereich bekommen, zum Beispiel 30 000 Franken.» Damit würde der Verein versuchen ein Jahr über die Runden zu kommen und danach entscheiden, ob der Verein langfristig in dieser Form noch weiter geführt werden könnte. «Es könnte aber auch ein Wunder passieren. Das würde bedeuten, dass wir unseren gewünschten Betrag erhalten.» Das dritte Szenario würde bedeuten, dass der Verein nichts erhält. «Dann weiss ich nicht, wie lange wir als Vorstand das noch stemmen können», so Frick.

Wie es wirklich weitergeht, wird sich mit der Zeit zeigen. Eine erste Annäherung mit einer Frauenorganisation gibt es bereits: Im Juni wird der Verein zusammen mit der Infra im Haus Gutenberg über partnerschaftliche Rollenverteilung informieren. (rar)

15. Mai 2018 / 05:00
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