• Baufortschritt Heliport Balzers
    Der stellvertretende Basisleiter René Stierli im neuen Hangar des Balzner Heliports.  (Tatjana Schnalzger)

Bundesverwaltungsgericht ist angerufen

Der dritte und voraussichtlich finale Ausbau des Heliports Balzers ist fast geschafft. Doch Vorfreude mag sich an der Schifflände nicht so recht einstellen. Die vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) abgeänderten Betriebszeiten sorgen bei der Basisleitung für Unmut.
Balzers. 

Seit Eintreffen der Baubewilligung im Juli 2017 sind auf der Helikopterbasis Balzers nicht nur die die Mitglieder der Basisleitung  und die Mitarbeiter der eingemieteten drei Unternehmen anzutreffen, sondern auch eine stattliche Anzahl Bauarbeiter. Von morgens bis abends treiben sie den Ausbau des Heliports mit Hochdruck voran, das Ziel, die Anlage noch in diesem Kalenderjahr fertigzustellen, stets vor Augen.
Dieses Vorhaben – darauf deutet alles hin – wird gelingen. Einige Tage noch und der Flugplatz verfügt neben einer neuen Tiefgarage mit 32 Plätzen, die dank einer vorab erteilten Teilbaubewilligung schon steht, auch über einen 1000 m2 grossen dritten Hangar inklusive Materiallager. Am 12. Dezember wird das Schweizerische Bundesamt für Zivilluftfahrt das Bauwerk abnehmen. Die Behörde ist auf Basis eines Notenaustauschs zwischen Liechtenstein und der Eidgenossenschaft für die Aufsicht über die Luftfahrt in Liechtenstein zuständig.
Auch ein weiterer Mieter, der den zusätzlichen Platz mit Leben füllt, ist bereits gefunden. Die Valair AG, in der Hauptsache auf Wartungsarbeiten spezialisiert, wird von Sitterdorf im Kanton Thurgau ins Fürstentum übersiedeln und ab dem 1. Januar 2018 als neu gegründete Liechtensteiner Firma in Balzers ihren Betrieb aufnehmen. Gesamthaft wird die Zahl der Arbeitsplätze auf dem Heliport an der Schifflände dann 72 betragen.

Angesichts solcher Aussichten müssten Inhaber David Vogt und Basisleiter-Stellvertreter René Stierli eigentlich bis über beide Ohren strahlen. Doch bei einem kleinen Rundgang durch die Anlage ist davon wenig zu sehen. Die beiden fühlen sich vom BAZL ungerecht behandelt. Seit Eröffnung des Heliports 1980 wurde in Balzers «immer von Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung und frühestens ab 6 Uhr bis Ende der bürgerlichen Abenddämmerung und spätestens 22 Uhr gestartet und gelandet», wie Stierli erklärt. Im Sommer sei in Bern aber nicht nur der Neubau bewilligt, sondern auch eine Änderung der Flugzeiten verfügt worden. Gemäss künftigem Betriebsreglement dürfen Hubschrauber auf dem Heliport von David Vogt frühestens um 6.30 Uhr und bis maximal um 20.30 Uhr starten und landen. Eine nachvollziehbare Begründung blieb das Amt schuldig, moniert Stierli: «Es hiess lediglich, in Gampel gelten diese Bestimmungen auch.» Was genau der Walliser Flugplatz mit dem Heliport Balzers zu tun habe, habe sich ihm und Vogt bislang allerdings nicht erschlossen.
Die Folgen, die verkürzte Betriebszeiten für Balzers als kommerziell ausgerichtete Hubschrauberbasis bedeuteten, sehen die beiden dagegen ganz klar. «Im Sommer ist es länger hell und die Schneegrenze liegt hoch genug, damit die meist erst ab 1500 Höhenmetern relevante Helikopterarbeit überhaupt gefragt ist. Und ausgerechnet dann sollen uns künftig bis zu zwei Stunden fehlen», erläutert Vogt. Zu allem Übel fielen die Stunden auch noch genau in jenen Zeitraum, in dem die Unternehmen besonders produktiv sein könnten. «Wenn es kühler ist, vermögen die Maschinen mehr Gewicht zu tragen und dann gibt es keine Thermik, was wiederum das Fliegen weniger gefährlich macht.»

Vom eigenen Anspruch, den ansässigen Hubschrauberunternehmen «attraktive Bedingungen zu bieten», wäre der Heliport Balzers mit den neuen Betriebszeiten natürlich trotz des jüngsten gut drei Millionen Franken teuren Ausbaus ein gutes Stück entfernt. Die bisherigen Mieter würden sich in ihrer Eigenschaft als privatwirtschaftliche Unternehmen, die auch eine Verantwortung gegenüber ihren Angestellten haben, dann zwangsläufig an andere Standorte verabschieden, wo höhere Profite winken. In Mollis im Kanton Glarus etwa darf zwischen Eintreten von Morgen- und Abenddämmerung nach wie vor von frühestens 6 bis spätestens um 22 Uhr geflogen werden – ein klarer Wettbewerbsvorteil. «Ob Zufall oder Absicht wissen wir nicht. Tatsache bleibt, dass dadurch ‹ungleich lange Spiesse› an die Schweizer und Liechtensteiner Helikoptergesellschaften verteilt werden», so Stierli. Auf längere Sicht, weiss er, wäre die Existenz der Balzner Basis mit ihren 72 Arbeitsplätzen ernsthaft gefährdet.
So weit soll es selbstredend nicht kommen. Zumal der Heliport auch einen vom Staat anerkannten öffentlichen Nutzen habe, wie Vogt betont: «Besuche von Staatsgästen, Polizeiflüge, Katastropheneinsätze, Suchflüge der Schweizer Armee, die von hier aus starten, Tankstops der Rega – der Balzner Flugplatz hat vielerlei Zwecke.»
Doch sämtliche Bemühungen, das BAZL zu einem Umdenken zu bewegen, schlugen fehl. Selbst Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch, zuständig für das Ministerium für Infrastruktur, Wirtschaft und Sport, biss auf Berner Granit. Auf einen Brief, in dem er ein «gemeinsames, klärendes Gespräch» anregte, antwortete die Behörde unter anderem damit, dass sie der erforderlichen Begründungspflicht «ausreichend nachgekommen» sei und «keinen Bedarf für eine gemeinsame Besprechung» sehe. Ohnehin gelte: Nach Abschluss eines Verfahrens bestehe «kein Handlungsspielraum für allfällige nachträgliche Änderungen des Betriebsreglements». Was freilich bleibe, sei die Möglichkeit einer Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.

Just das hat die Heliport Balzers AG letztlich denn auch getan.  «Wir wollen doch nur das behalten, was wir zuvor schon 37 Jahre hatten», sagt  Stierli. Und was notabene einen halben Kilometer von der Helikopterbasis entfernt ebenfalls möglich ist. Jenes Gebiet gilt unter Berücksichtigung der Bestimmungen der 2016 in Kraft getretenen Aussenlandeverordnung nämlich offiziell als Zone, in der Aussenlandungen bewilligungsfrei von Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung und frühestens ab 6 Uhr bis Ende der bürgerlichen Abenddämmerung und spätestens 22 Uhrdurchgeführt werden können. Ein Umstand, der gleichermassen kurios wie unglücklich anmutet. (bo)

 

 

 

27. Nov 2017 / 21:29
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