• LPC in Vaduz
    Wie gehen Redaktionen mit Fotos, Filmchen und Texten aus Social Media um? Eine Veranstaltung des LPC im Gasthof Löwen in Vaduz.  (Daniel Schwendener)

Blechschäden und Hochzeiten funktionieren am besten

Der Liechtensteiner Presseclub (LPC) lud am Freitagabend zur Podiumsdiskussion im Gasthof Löwen in Vaduz ein. Fünf Journalisten diskutierten, wie Redaktionen mit Fotos, Filmchen und Texten aus Social Media umgehen.
Vaduz. 

Katzenfotos, Maiglöckchen und die möglicherweise schwangere Freundin von Cristiano Ronaldo. Immer mehr seriöse Zeitungen packen solche Inhalte aus Social Media wie Facebook, Youtube oder Twitter auf ihre Homepages. Medienexperten diskutierten über diesen Weg viele Klicks zu generieren.
Die fünf Journalisten kamen aus Liechtenstein, Österreich und der Schweiz. Ihnen gegenüber sassen die Studierenden der 8. Internationalen Sommerakademie für Journalismus und PR. Sie verbringen vier Wochen an der Universität Liechtenstein und trainieren hier Recherche, Interview und Texten.

Diego Yanez war 24 Jahre beim SRF und leitet seit drei Jahren das Medienausbildungszentrum (MAZ) in Luzern: «Wenn wir die Sozialen Medien anschauen, haben wir zwei Komponenten: Unterhaltung und Information. Die Grenzen sind nicht ganz so deutlich.» Journalismus solle nicht nur informieren, sondern durchaus auch unterhalten – doch die Unterhaltung müsse der Wahrheit entsprechen.
Gerd Endrich ist Chefredakteur für TV, Radio und Online beim ORF-Landesstudio Vorarlberg. Auch er ist der Meinung, das Interesse auf Social Media wandere eher zu niederschwelliger Unterhaltung ab.
Stephan Agnolazza nahm als Mitglied der Chefredaktion vom «Liechtensteiner Vaterland» an der Diskussion teil. Die Zeitung setzt nicht nur online, sondern auch gedruckt auf Leserreporter, die schnell und gut interessante Informationen liefern. «Seit wir Push-Nachrichten auf WhatsApp versenden, schicken die User zum Beispiel Staumeldungen, die für unsere anderen Leser sehr nützlich sind. Sie nehmen dann schnell einen anderen Weg zur Arbeit.» Sehr interessant findet das «Vaterland»-Publikum schnelle Infos über Blechschäden, Einbrüche und Fotos von einem wunderschönen Regenbogen.
Martin Oswald arbeitet seit Anfang August in der Chefredaktion des St. Galler Tagblattes und ist seither für den Online-Auftritt verantwortlich. «Wir müssen ernsthaften Journalismus auf attraktive Art und Weise machen, sodass ihn auch junge Menschen gerne auf einer Drittplattform wie Facebook konsumieren.» Er kündigt an, Leserreportern künftig noch breiteren Raum zu geben, weil «Regionalmedien nahe am Leser» sein müssten.

Während die meisten Printredaktionen versuchen, möglichst viele junge Menschen über Social Media zu erreichen, nahm Claudia Wirz die Gegenposition ein.
Die ehemalige Chefredaktorin des NZZ-Magazins ist von Filmchen und Katzenfotos einfach nur genervt. «Wir werden vollkommen überflutet mit Bildern, die in erster Linie Narzissmus befriedigen. Ich bin demgegenüber eher skeptisch.» Sie finde Zeitschriften ohne Online-Auftritt, wie etwa die «Weltwoche» erfrischend selbstbewusst.

Die Autoren: Julia Pfleger, 23, kommt aus der Steiermark (Ö), Tom Schmidtgen, 21, kommt aus Dresden (D). Beide absolvieren derzeit die 8. Internationale Sommerakademie für Journalismus und PR an der Uni Liechtenstein. 

 

11. Aug 2017 / 21:05
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