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    Nach rund drei Jahren im Amt kommt für die Ruggeler Gemeindevorsteherin Maria Kaiser-Eberle eine zweite Amtsperiode in Frage.  (Daniel Schwendener)

Allein in einer Männerdomäne

Maria Kaiser-Eberle ist die zweite Gemeindevorsteherin in der Geschichte Liechtensteins. Ihrer Meinung nach müssten Parteien stärker auf Frauen zugehen, um sie ins politische Boot zu holen. Denn an interessierten und engagierten Frauen fehle es nicht.

Elf Gemeinden, zehn  Gemeindevorsteher und eine Vorsteherin. Maria Kaiser-Eberle ist ist derzeit die einzige Frau in diesem Amt. Die Unterländerin spricht über ihre Erlebnisse und wieso Frau und Mann trotz unterschiedlicher Denkweisen zusammenarbeiten sollten.

Seit 2015 sind Sie die Gemeindevorsteherin von Ruggell. Ist das etwas Spezielles für Sie?
Maria Kaiser-Eberle: Ja, das ist es. Über die Wahl habe ich mich sehr gefreut, denn ich konnte vorher überhaupt nicht einschätzen, wie das Ergebnis ausfallen wird. Wahrscheinlich ist diese Einschätzung als Frau doppelt so schwierig, da es auch heute  nicht Gang und Gäbe ist,  sich als Frau für dieses Amt zur Verfügung zu stellen. Das Amt als Vorsteherin im Allgemeinen ist für mich speziell. Der Job ist sehr interessant und ich habe die Möglichkeit, mich mit den unterschiedlichsten Menschen und Themen auseinanderzusetzen. Das ist sehr spannend.

Sie sind die zweite Frau, die dieses Amt bekleidet. Vor ihnen war nur Maria Marxer in Gamprin vor mehr als 20 Jahren Gemeindevorsteherin. Wie haben die Leute auf ihre Wahl reagiert?
Von einigen wurde ich tatsächlich darauf angesprochen, erst die zweite Frau in diesem Amt zu sein. Vielmehr hatten die Menschen aber Fragen an mich. Zum Beispiel, wie ich mit der Männerdominanz, vor allem in der Vorsteherkonferenzen, umgehe.  Ich persönlich arbeite sehr gerne mit Frauen und Männern zusammen. Aber auch in der besagten Vorsteherkonferenz ist das Klima sehr gut und das Arbeiten angenehm.
War es schon immer Ihr Ziel, Gemeindevorsteherin zu werden?
 Es war kein direktes Ziel von mir. Ich wurde dafür angefragt. Damals war ich im Schulamt tätig und habe die Kandidatur als Chance gesehen, etwas Neues ausprobieren zu können, obwohl ich sehr gerne im Schulamt gearbeitet habe. Ich habe die Gelegenheit genutzt und mein Glück versucht. Ich hatte dabei Nichts zu verlieren und war bereit, die Herausforderung anzunehmen. Politisches Interesse war bei mir vorhanden: Ich war bereits als Gemeinderätin und Vizevorsteherin tätig – und hatte also schon eine Ahnung, auf was ich mich einlassen würde.

Hatten Sie dennoch einen gewissen Bammel davor, was jetzt auf Sie zu kommen würde?
Ich habe mir erhofft, dass ich in meinem Amt gut Fuss fassen kann und akzeptiert werde. Nicht spezifisch deshalb, weil ich eine Frau bin, sondern weil für mich grundsätzlich eine gute Zusammenarbeit wichtig ist.
Konnten Sie ihr Familienleben gut mit dem neuen Job vereinen?
Ich wurde bereits zu einem früheren Zeitpunkt für politische Ämter angefragt, als ich noch Teilzeit berufstätig war und drei kleine Kinder zu Hause hatte, um die ich mich kümmern wollte. Dies war eine Hürde, die mich zu diesem Zeitpunkt davon abhielt zu kandidieren. Erst als meine Töchter ein gewisses Alter erreicht hatten, kandidierte ich für den Gemeinderat. Als ich dann 2015 zur Kandidatur als Vorsteherin zugesagt habe, standen mein Mann und meine Familie vollkommen hinter mir. Meine Töchter waren zu diesem Zeitpunkt bereits erwachsen. So war ich flexibel und nicht gebunden.

Denken Sie, dass familiäre Pflichten viele Frauen von einer politischen Karriere abhalten?
Ich denke, dass das für eine Frau in jungen Jahren eine der grössten Hürden ist. In unserer Gesellschaft ist es hauptsächlich die Frau, die sich hauptverantwortlich um Haushalt und Kinder kümmert. Viele junge Frauen sind dazu auch noch berufstätig. Ein Mann ist deshalb meistens viel flexibler. Mir ist klar, dass es sich beim Beschriebenen um ein gänzlich traditionelles Familienbild handelt. Meiner Meinung nach ist dieses immer noch weit verbreitet und somit definitiv ein Grund, dass junge Mütter sich politisch nicht so sehr engagieren wie Männer.

Männer sind sehr viel präsenter in der Politik. Hindert das Frauen daran, sich für eine Kandidatur aufzustellen?
Ich denke, das stellt keine Extrahürde für Frauen dar. So habe auch ich in meiner politischen Laufbahn einen ähnlichen Weg eingeschlagen wie meine männlichen Kollegen.

Was soll Ihrer Meinung nach unternommen werden, um Frauen vermehrt zur Politik zu bringen?
Das ist eine der grössten Herausforderungen für unsere Parteien. Frauen sollten abgeholt und eingebunden werden auch in losen Gruppierungen – sei dies parteiintern oder parteiübergreifend. In unserer Gemeinde Ruggell habe ich festgestellt, dass Frauen sich sehr wohl aktiv in Vereinen oder für wohltätige Zwecke engagieren. Es ist daher wichtig, solche engagierten und politikinteressierten Frauen einzeln anzusprechen. Es sollen sowohl berufstätige als auch nicht berufstätige Frauen motiviert werden, ein politisches Amt auszuführen. Nicht berufstätige Frauen können das politische Amt zum Beispiel als Teilzeit-Job ausüben. Die grösste Kunst ist es, alle abzuholen – denn es sind auch alle Frauen gefragt.

Auf was sind Sie in Ihrer bisherigen Amtszeit stolz, erreicht zu haben?
Ich bin besonders stolz auf mein gutes Team und die gute Zusammenarbeit in der Verwaltung. Wichtig ist für mich die Nähe zur Bevölkerung: Der Gemeinderat und ich legen grossen Wert darauf, die Einwohnerinnen und Einwohner mit einzubeziehen und abzuholen. So haben wir das Projekt «Wohnen und Leben im Alter» mit Gamprin und Schellenberg. Stolz bin ich auch auf das Projekt «Visio Ruggell», das die Bevölkerung und insbesondere die Jugend miteinbezieht: Aktuell haben wir einen Workshop und einen Kindermitwirkungstag mit der Primarschule organisiert. Mit diesem breiten Einbezug erhoffen wir uns zu erfahren, was unserer Bevölkerung für die Zukunft wichtig ist.

Was sehen Sie als Herausforderungen und Vorteile als Frau in einem solchen Amt?
Ich bin davon überzeugt, dass Frauen sich gleichermassen gut mit Themen auseinandersetzen können wie Männer. Frauen und Männer unterscheiden sich schon teilweise in ihrer Denkweise und ergänzen sich deshalb sehr gut. Deshalb sollten unbedingt Frauen und Männer in politischen Gremien vertreten sein und zusammenarbeiten. Wir Frauen wollen meist möglichst viele Leute mit einbeziehen, mit ihnen reden und von ihnen Rückmeldungen erhalten. Mir liegt das besonders am Herzen. Im Gemeinderat haben wir in Ruggell die komfortable Situation, dass wir mit mir vier Frauen und fünf Männer sind. Diese Verteilung finde ich optimal.

Sehen Sie sich in ein paar Jahren immer noch als Gemeindevorsteherin?
Zu Beginn meiner Amtszeit habe ich gesagt, dass ich es mir vorstellen kann – allein schon aufgrund meines Alter – mich für eine zweite Amtsperiode zur Verfügung zu stellen. (rar)

08. Mär 2018 / 07:00
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