• Eschentriebsterben in Schaan
    Dem Schaaner Gemeindeförster Gerhard Konrad fällt es nicht leicht, 1000 Bäume zu roden.  (Daniel Schwendener)

95 Prozent aller Eschen sind krank

Den Eschen geht es nicht gut. Eine Pilzkrankheit bringt sie massenweise zum Absterben. Alleine in Schaan muss der Gemeindeforstbetrieb bis zum Frühling 1000 Bäume entlang der Wanderwege und Strassen fällen.
Schaan. 

Wo einst Eschen in den Himmel ragten, ist heute oft nur noch ein karger Rest übrig. Oberhalb von Schaan sind bereits Dutzende Bäume orange markiert. Forstarbeiter fällen die toten und kranken Eschen entlang der Strassen und Wanderwege. Dem Schaaner Gemeindeförster Gerhard Konrad fällt es nicht leicht, bis zum Frühling eintausend Bäume zu roden. Vor den Entscheid, eine Esche zu fällen oder sie noch eine Zeit lang stehen zu lassen, sind derzeit viele Förster gestellt. Denn das Eschentriebsterben hat sich seit 2008 ausgebreitet. «In den letzten zwei Jahren ist das Absterben nochmals massiv weitergegangen», erklärt Konrad. Weil es noch kein richtiges Mittel gegen den aggressiven Pilzbefall gibt, bleibt dem Gemeindeförster keine andere Wahl, wie er selbst sagt. Das Phänomen betrifft aber nicht nur Schaan. Im ganzen Land stirbt der Laubbaum reihenweise ab. 95 Prozent der Eschen in Liechtenstein sind befallen. «Vielleicht findet man in Liechtenstein in ein paar Jahren noch irgendwo eine Esche, aber im Moment ist sie vom Aussterben bedroht.» Von den baltischen Ländern verbreitete sich die Krankheit in den letzten Jahren in ganz Europa. 

Keine Panik, aber Vorsicht
Die Esche macht acht Prozent des  Baumbestandes in Liechtenstein aus. «Wir haben wirklich keine Freude daran, wunderschöne alte Bäume zu fällen», sagt Konrad. Doch die Sicherheit und der Schutz der Bürger gehen vor. An vielen Stellen seien die kranken Bäumen durch dürre Äste und Baumkronen, die herabfallen können, eine grosse Gefahr – vor allem entlang von Strassen. So säumen Eschen auch die Autobahn von Sargans bis Ruggell, wo sie zur Gefahr werden können. Denn meist sind die vom Pilz bereits geschwächten Eschen noch von weiteren Schädlingen befallen. Weil Wanderwege in Schaan betroffen sind und Spaziergänger damit gefährdet seien, musste der Förster bestimmte Gebiete absperren, in denen Arbeiter gerade zugange sind und kranke Eschen roden. Absperrtafeln sollen auf die Gefahr hinweisen. Gegen die Ursachen können der Gemeindeförster und sein Team aber nichts machen. In einigen Fällen helfe es, Triebe zurückzuschneiden und befallenes Laub einzusammeln, was aber im Wald keine praktikable Lösung sei. Dafür sind zu viele Eschen befallen und das Auftreten sei zu weit verbreitet. Zurzeit gibt es laut Konrad noch keine Patentlösungen, um dem Problem beizukommen. Die Verbreitung der Pilzkrankheit lässt sich nicht verhindern, da die Pilzsporen nicht nur in grossen Mengen gebildet, sondern auch mit dem Wind über weite Strecken getragen werden.

Die Hoffnung liegt nun auf resistenten Eschen, denen der Pilz nichts anhaben kann. Forscher versuchen herauszufinden, wieso einzelne Bäume länger überleben und teilweise immun sind. Eine Möglichkeit, das Eschensterben aufzuhalten, bestünde laut Konrad darin, den Wald mit resistenten Stecklingen aufzuforsten. Eschen wachsen laut Konrad schnell. Doch solange sie nicht resistent sind, sind sie ein leichtes Opfer. Während alte Bäume weniger anfällig sind, hat der Pilz vor allem bei jungen Trieben leichtes Spiel. Der schädliche Pilz namens «Chalara fraxinea» wurde aus Ostasien eingeschleppt und breitet sich seit 2008 in Liechtenstein und der Schweiz aus. Bei befallenen Bäumen sterben zunächst junge Triebe ab, weshalb auch vom «Eschentriebsterben» die Rede ist. Wenn der Pilz die Nährstoffzufuhr unterbindet, stirbt der Baum ganz ab. (dal)

07. Feb 2018 / 06:05
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