• Gerichtsgebäude
    Eine Wohnungsdurchsuchung deckte Missstände auf.  (Elma Korac)

Waffe in frei zugänglichem Essbereich liegen gelassen

Das Landgericht in Vaduz verurteilte gestern einen 23-jährigen Deutschen wegen Cannabis-Konsum, dem Unerlaubten Ausführen von Waffen sowie wegen Sorgfaltspflichtverletzung. Sein ebenfalls angeklagter Vater wurde hingegen freigesprochen.

Am Donnerstag Morgen mussten sich ein 63-jähriger Deutscher und sein 23-jähriger Sohn, wohnhaft in Mauren, vor dem Fürstlichen Landgericht in Vaduz verantworten. Beide waren wegen Vergehen gegen das Waffengesetz angeklagt.  Der Sohn, Geschäftsführer einer in Liechtenstein ansässigen Firma, wurde zudem des Missbrauchs des Betäubungsmittelgesetzes beschuldigt. Er hatte während 2015 und 2017 mehrmals wöchentlich Cannabis konsumiert und die Droge zum Eigengebrauch befördert sowie bei sich Zuhause gelagert. Das pikante Detail dieser Verhandlung: Während der im November 2017 durchgeführten Wohnungsdurchsuchung stiess die Landespolizei auf Broschüren der international tätigen rechtsextremen Organisation «Europäische Aktion». Zudem trug der 23-jährige Hauptangeklagte einen Reichsbürgerausweis bei sich. 

Reichsbürgerausweis wegen «Interesse» besessen
Laut Angaben des Beschuldigten habe er die Broschüren der rechtsextremen Organisation sowie den Reichsbürgerausweis lediglich aus Interesse und zu Informationszwecken erworben. Er habe Wirtschaftsrecht studiert und in diesem Zusammenhang seien ihm Ungereimtheiten bezüglich des Rechts von Reichsbürgern aufgefallen. Auf die Frage des Richters, woher er den Reichsbürgerausweis habe, erklärte der Angeklagte, ihn im Internet bestellt zu haben. Versehen ist der Ausweis mit den persönlichen Angaben des Angeklagten. Er versicherte aber mehrmals, sich nie mit der Reichsbürgerbewegung und dessen Ideologien identifiziert zu haben – auch als der Richter anmerkte, dass Reichsbürger in der Regeln eine Affinität für Waffen sowie für den Drogenkonsum aufweisen, stritt der Angeklagte ab, Sympathie für die rechte Szene zu hegen. Der 23-jährige Deutsche wurde schliesslich wegen Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz und für das Ausführen zweier Waffen ohne Berechtigung und fehlende Tragebewilligung schuldig gesprochen. Hinzu kam die Sorgfaltspflichtverletzung, eine der Waffen und die dazugehörige Munition nicht ordnungsgemäss aufbewahrt zu haben. 

Unverantwortlicher Umgang mit Waffen
Der Hauptangeklagte und sein Vater teilten sich in der gemeinsamen Wohnung in Mauren einen Waffenschrank. Dieser befand sich im feuchten Keller der Liegenschaft. Aus Sorge, das Gewehr der Marke «Winchester» könne durch die Feuchtigkeit beschädigt werden, nahm der 23-Jährige die Waffe in den frei zugänglichen Essbereich mit, um sie dort zu säubern. 
Anschliessend verstaute er die Waffe aber nicht wieder im Waffenschrank, sondern liess sie im Essbereich der Wohnung liegen. Der Angeklagte versuchte sich mit der Erklärung, während diesem Zeitraum umgezogen zu sein. Er habe zwar gewusst, dass sich das Gewehr immer noch in einem frei zugänglichen Raum befinde, habe aber nicht mehr daran gedacht, dieses ordnungsgemäss im Waffenschrank zu verstauen. 
In Bezug auf das unerlaubte Ausführen zweier Waffen der Marken «Smith and Wesson» und «Remington» versuchte der 23-Jährige, sich mit Unwissenheit aus der Affäre zu ziehen. Er hat sich angeblich mit Freunden in Deutschland auf einem Schiessstand verabredet. Deshalb wollte der Deutsche die Waffen und die dazugehörige Munition aus Liechtenstein ausführen. Aufbewahrt hatte er sowohl die Waffen wie auch die Munition und die Magazine separat in einer Tasche. Er besitzt den europäischen Waffenpass und dachte, dass dies für eine Ausfuhr genügt. Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass er zusätzlich einen Eintrag tätigen muss. Zu den geplanten Schiessaktivitäten ist es jedoch nie gekommen. Die Freunde hätten ihm kurzfristig abgesagt.  

Zu 2000 Franken Busse verurteilt
Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war der Tatbestand gegeben. Die Aufbewahrung sei eine Kardinalspflicht des Besitzers. Die Wohnungsdurchsuchung hätten hier Missstände klar aufgedeckt. Strafmildernd für den 23-Jährigen wirkten seine Einsicht, Fehler begangen zu haben. Auch dass er seit Ende 2017 keine Drogen mehr konsumierte, berücksichtigte der Richter. Er erhielt eine Busse von 2000 Franken sowie eine bedingte Freiheitsstrafe von 2 Monaten, die sich auf eine Probezeit von drei Jahren beläuft. 
Der Vater wurde freigesprochen. Die gemeinsame Nutzung des Waffenschranks sei möglich, da es sich beim Sohn zwar um einen Dritten handle, dieser wegen seines Waffenscheins aber kein Unbefugter ist, so der Richter. (jka)
 

12. Jul 2018 / 22:31
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