• Gerichtsgebäude
    Sechs Jahre muss der 68-jährige Mann hinter Gittern verbüssen.  (Elma Korac)

Lebenswerk mit Betrügereien zerstört

Der 68-jährige Rechtsanwalt und Treuhänder gab zu, mehrere Kunden und Freunde um mehrere Millionen betrogen zu haben. Die Konsequenz: Sechs Jahre Haft.

Die Staatsanwältin hätte es nicht besser formulieren können: Der einst angesehene 68-jährige Mann hat sein Lebenswerk an die Wand gefahren. Als Rechtsanwalt, Treuhänder, Fürstlicher Justizrat und Präsident des liechtensteinischen Staatsgerichtshofs war er eine Persönlichkeit, dem seine Kunden, Freunde und Bekannten stets vollstes Vertrauen geschenkt haben. Im Gerichtssaal hat der Angeklagte gestern zugegeben, dieses Vertrauen missbraucht und etliche Geschädigte um viel Geld gebracht zu haben. Mehrere Geld-Opfer haben die Gerichtsverhandlung im Saal mitverfolgt – manche von ihnen wütend, verärgert, aber auch traurig und verletzt. Der Angeklagte entschuldigte sich mehrmals bei ihnen. Er wisse nicht, wie er in dieses Schlamassel geraten sei. Für das Kriminalgericht ging es allerdings eher darum, zu eruieren, wie er dieses «Schlamassel»  verursacht hat.  

Firma mit Kosmetika und gesunden Getränken
Im Vorfeld der Verhandlung hatten sich die Ermittler durch meterhohe Aktenbündel und Tausende von Transaktionen zu kämpfen. Das Gericht hat dem Angeklagten vorgeworfen, dabei nicht kooperativ gewesen zu sein. Zunächst hätte er gar von seinem Recht Gebrauch gemacht, seine Zeugenaussage zu verweigern. Dieser Vorwurf wies der Angeklagte allerdings von sich – in seinem System sei nichts verschlüsselt gewesen und ausserdem habe er zwei Tüten gefüllt mit Akten der Polizei übergeben. Während seiner Inhaftierung im September vergangenen Jahres hätte er sich selbst einen Überblick über all die Geldtransaktionen, Darlehensverträge und Investmentgelder  machen müssen. Insgesamt ist es an der gestrigen Verhandlung um rund 13 Millionen Franken gegangen, um die der Angeklagte seine Gläubiger betrogen haben soll. Sieben Millionen Franken lassen sich aus all den Geldgeschäften im In- und Ausland nachvollziehen – wohin die restlichen sechs Millionen Franken geflossen sind, bleibt vorerst unklar. Gemäss ersten Mitteilungen der Staatsanwaltschaft nach der Inhaftierung des Angeklagten ging diese gar von einer Betrugssumme von 50 Millionen Franken aus. Weitere Ermittlungen sind derzeit noch im Gange. Wie der Angeklagte selbst angibt, hat er über die ganzen Geschäfte nach und nach  den Überblick verloren. Ebenso schwierig ist es für ihn, die Anfänge dieses «Schlamassels» zu eruieren. Eine wegweisende Begegnung ist wohl jene mit einer Frau aus Brasilien gewesen, die ihn bei der Heilung seiner damaligen Erkrankung geholfen hatte. Wieder genesen, wollte er mit ihr zusammen eine Firma mit Kosmetikprodukten und gesunden Getränken aufbauen. Zum Laufen ist die Firma kaum gekommen und hat stattdessen rund 13 Millionen Franken geschluckt. Drei Geschäfte hat es in Mailand gegeben, bis nach Südamerika wollten die Investoren expandieren. Mit einer Geschäftsidee, die den Angeklagten – und rund 30 Geschädigte –  offensichtlich in den Ruin getrieben hat. (bfs)

Mehr in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Liechtensteiner Vaterlands» vom Donnerstag, 9. November 2017.

08. Nov 2017 / 20:54
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