• Italienische Polizisten
    Ein italienischer Ex-Polizist war korrupt, zeigte sich aber am Landgericht geständig und reuig.  (andrewmedina)

Ex-Polizist wegen Geldwäsche verurteilt

Ein Italiener wurde am Mittwoch am Landgericht in Vaduz wegen Geldwäscherei verurteilt, weil er als Ex-Polizist Bestechungsgelder angenommen und diese in Liechtenstein versteckt hatte. Er beteuerte, dass er «dieses dunkle Kapitel» hinter sich gelassen habe.
Vaduz. 

Am Mittwoch musste sich ein ehemaliger italienischer Kommandant der Gemeindepolizei vor Gericht verantworten. Er hat Bestechungsgelder angenommen und die Schmiergelder bei einer Vaduzer Bank versteckt, ihre Herkunft verschleiert und sich somit der Geldwäsche schuldig gemacht. Eigentlich war die Verhandlung auf drei Stunden angesetzt. Weil sich der Angeklagte – der nur italienisch sprach und dessen Aussage übersetzt werden musste – reuig und geständig zeigte, ging der Prozess schnell über die Bühne. Der Ex-Polizist musste sich in gleicher Causa wegen Bestechung und Korruption sowie Beteiligung an einer kriminellen Organisation bereits in Italien verantworten und wurde von einem Mailänder Gericht ursprünglich zu einer Freiheitsstrafe von über sechs Jahren verurteilt. Ein offenbar hartes Urteil, mit dem die italienische Justiz gegen Bestechung und Korruption als verbreitetes Phänomen in Italien vorgeht. 

Musste bereits drei Jahre absitzen

«Ich habe für einen Ersttäter noch nie so ein hohes Ausmass an Freiheitsstrafe gesehen für ein solches Delikt», erklärte der Anwalt des Angeklagten während der Verhandlung. Die ursprüngliche Freiheitsstrafe wurde schliesslich von einem anderen italienischen Gericht auf vier Jahre reduziert. Wegen guter Führung sass er so am Ende drei Jahre seiner Haftstrafe in einem italienischen Gefängnis ab – von Mai 2013 bis Dezember 2016. Eine Zeit, die den Angeklagten offenbar geprägt hat. Denn für die knapp 70 000 Euro Bestechungsgelder, die sich auf seinem Liechtensteiner Konto befinden, hat er nicht nur mit Strafvollzug büssen müssen.

In der kurzen Pause der Verhandlung vor der Urteilsverkündung erzählte seine Frau unter Tränen auch, dass er Anwaltskosten von bis zu 40 000 Euro zu begleichen hatte und jegliches Hab und Gut verkaufen musste, um die Rechnungen überhaupt bezahlen zu können. Eine harte Zeit, wie sie weiter erklärte, während sie auf das Urteil wartete. Kurz zuvor hatte ihr Mann in der Verhandlung erklärt, dass er «dieses dunkle Kapitel hinter sich gelassen habe». Er habe sich nun ein neues Leben aufgebaut und eine neue Arbeitsstelle angetreten. Nach der Verurteilung in Italien verlor er seinen Posten als Polizist.

Mildes Urteil für den Angeklagten

Das Landgericht befand den Mann für schuldig. Sah aber von einer Freiheitsstrafe oder einer anderen Zusatzstrafe ab. Mildernde Umstände waren, dass der Angeklagte unbescholten war und damit keine Vorstrafen hatte. Zudem wurde ihm zugutegehalten, dass er sich sowohl gegenüber der italienischen als auch der hiesigen Justiz kooperativ zeigte. Bereits im italienischen Verfahren gab er zu, schuldig zu sein.  Auch im gestrigen Verfahren in Liechtenstein gestand er, Bestechungsgelder nach Liechtenstein geschafft zu haben, ihre kriminelle Herkunft verschleiert und damit Gelder gewaschen zu haben. Das Geld auf dem Konto der Liechtensteiner Bank wurde vom Gericht zugunsten des Landes Liechtenstein eingezogen. Der Fall des Verurteilten ist in Italien kein Einzelfall, gehört Italien doch zu den korruptesten Ländern Europas.

Bei jedem dritten öffentlichen Bauauftrag gehe es nicht mit rechten Dingen zu, heisst es etwa in einem Jahresbericht der Finanzpolizei «Guardia di Finanza». Jedes Jahr werden nach offiziellen Schätzungen rund 60 Milliarden Euro dem Staat und der Privatwirtschaft geraubt. Vor allem das organisierte Verbrechen arbeitet heute vorzugsweise mit Bestechung. (dal)

 

14. Dez 2017 / 10:42
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