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    Ernst Hasler analysiert die Situation  (Eddy Risch)

«FCV-Trainer müsste ein Liechtensteiner sein»

Der FC Vaduz sucht einen neuen Trainer. Ginge es nach den «Vaterland»-Lesern, würde dieser Ernst Hasler heissen. Der langjährige Sportjournalist analysiert die derzeitige Situation beim FC Vaduz in einem Interview.
Fussball. 

Herr Hasler, nach der Entlassung von Roland Vrabec wird ein neuer Trainer für den FCV gesucht. In einer Online-Umfrage wurde auch Ihr Name ins Spiel gebracht. 62 Prozent der «Vaterland»-Leser haben sich für Sie als neuen Trainer des FCV ausgesprochen. Worauf führen Sie das zurück?

Ernst Hasler: Ich nehme an, das ist teilweise auf Sympathien zurückzuführen. Diejenigen, die für mich gevotet haben, kennen mich vermutlich auch als Sportjournalist, der seit Jahren über den Fussball berichtet. Nicht nur über den FC Vaduz, sondern eben auch über EM- oder WM-Spiele, bei denen ich live vor Ort bin. Oder als ehemaligen U-18-Trainer und wissen, dass ich auch selbst in der Fussballszene aktiv bin. Ich gehe davon aus, dass mir deshalb eine gewisse Sportkompetenz zugesprochen wird. Es freut mich, zu sehen, dass ich offenbar über eine gute Lobby verfüge.

Wieder wurde ein Trainer beim FCV nach nur einem Jahr entlassen. Was ist denn los beim FC Vaduz?

Es ist natürlich nicht nur beim FCV der Fall, dass Trainer entlassen werden. In der kurzlebigen Zeit sind die Menschen einfach ungeduldig. Die Verantwortlichen fordern von den Trainern sehr schnelle Resultate. Vaduz hat nach sechs Spielen den Kontakt zur vorderen Tabellenhälfte verloren und einige Punkte vergeben. Vrabec hat zudem immer jegliche Schuld oder Fehler von sich gewiesen. Und so ist der Unmut über einen bestimmten Zeitraum gewachsen. Der Vorstand musste bestimmt auch Kritiken entgegennehmen und ist seinerseits selbst ständig gefordert. Dann muss bei einer Entlassung auch berücksichtigt werden, was vom Trainer gefordert wurde und ob er die Ziele erreicht hat. Mir ist nur bekannt, dass der FCV ein neues Konzept verabschiedet hat, das vorsieht, bei den Spielen vermehrt Jungprofis einzusetzen. Das hat Vrabec verpasst. Und vielleicht hätte er das im Laufe des Herbstes ja noch gemacht. Ich hätte mir aber auch gewünscht, dass er früher auf junge Spieler zurückgegriffen hätte. Weniger Punkte hätte der FC Vaduz dann sicher nicht geholt.

Gab es auch Kritik vonseiten der Spieler?

Wenn es diese gab, dann ist zumindest nichts nach aussen gedrungen. Aber man hat durchaus gesehen, dass nicht immer alles harmonisch verlaufen ist. Das lag sicher auch daran, dass Vrabec oft aufbrausend, weil ehrgeizig war.

Sie kommen als Cheftrainer nicht in Frage, da Sie «nur» im Besitz einer A-Lizenz sind. Was benötigt ein Trainer – ausser einer Uefa-Pro-Lizenz – um den FC Vaduz zum Erfolg zu führen?

In der heutigen Zeit ist ein Trainer weit mehr als ein Ausbildner oder ein Chef, der an vorderster Front steht. Er ist auch Psychologe. Er muss die Mannschaft führen können, muss seine Spieler «hungrig» machen. Spieler, die beispielsweise ein gutes Gehalt bekommen, sind schnell genügsam. Solche Spieler muss ein Trainer immer wieder neu abholen. Wäre beim FCV zum Beispiel ab und zu ein junger Spieler anstatt eines Stammspielers eingesetzt worden, wäre Letzterer hellhörig geworden und würde sich herausgefordert fühlen. Ein Trainer muss die Mechanismen kennen und auch anwenden, um seine Spieler wenn nötig aus der Reserve zu locken.

Welcher Trainer wäre Ihres Erachtens die richtige Wahl?

Nachdem der FCV ja nun einen neuen Weg eingeschlagen hat, müsste auch ein einheimischer Trainer eingestellt werden. Und hier kommt eigentlich nur Mario Frick in Frage – er ist der einzige, der über die nötige Lizenz verfügt. Ausserdem «tickt» Mario Frick natürlich auch liechtensteinisch. Das wäre auch ein Zeichen nach aussen, dass endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden. Ansonsten käme sicher auch Heinz Fuchsbichler in Frage, der die U21-Nationalmannschaft trainiert. Er kennt die liechtensteinischen Gegebenheiten. Oder aber Ralph Loose, der den Liechtensteiner Fussball sehr gut kennt und auch hier lebt. Ihn müsste man allerdings bei Winterthur aus dem laufenden Vertrag holen – das kostet meist sehr viel Geld. Zwei Personen, welche der Mannschaft gut tun würden, wären meines Erachtens Daniel Hasler und Martin Stocklasa, welche aber leider nicht über die Lizenz verfügen. Die Trainerfrage ist also nicht ganz einfach, wie man sieht.

Was glauben Sie, in welche Richtung der Vorstand des FCV tendiert?

Das ist sehr schwierig zu sagen. Ich könnte mir vorstellen, dass Pierluigi Tami in der engeren Wahl ist. Ein absoluter Kenner der Nachwuchsszene in der Schweiz.  Die speziellen Verhältnisse in  Liechtenstein kennt er vermutlich nicht. Zwar würde ich ihn nicht bevorzugen, da es meines Erachtens ein Liechtensteiner werden sollte. Tami wäre aber immer noch die bessere Wahl als alle anderen Namen, die bisher gefallen sind, zumal er Jugendliche fördert, sie motivieren kann und sie auch einsetzen würde.

Mit Blick auf die Vergangenheit – an welchem Trainer hätte der FC Vaduz festhalten sollen?

Bei Giorgio Contini war ich immer hin- und hergerissen. Er hat seine Qualitäten durchaus unter Beweis gestellt und hat ja auch den Aufstieg in die Super League geschafft. Doch er hat in meinen Augen zu wenig liechtensteinisch «getickt» und ist nicht über seinen Schatten gesprungen, um dem Liechtensteiner Fussball etwas Gutes zu tun. Auch Martin Andermatt hat, mit gewissen Abstrichen, gute Arbeit geleistet. Bei ihm war es leider so, dass er mit der Nationalmannschaft ein Doppelmandat ausgeübt hat. Das habe ich sehr bedauert Am Ende hat sich – wie befürchtet –  gezeigt, dass genau das ein Problem war.

Kann der FC Vaduz den Aufstieg – und noch wichtiger, den längerfristigen Erhalt – in die Super League noch einmal schaffen?

Zu schaffen ist das immer – die Frage ist nur, unter welchen Umständen bzw. mit welchen Spielern. Natürlich gibt’s solche, denen egal ist, wer auf dem Platz steht, solange der FCV gewinnt. Und dann andere wie mich, die sich wünschen, dass der FC Vaduz mit einheimischen Spielern unterwegs ist und dadurch auch die Nationalmannschaft gestärkt wird. Es gibt viele Jugendliche, die sehr viel Potenzial haben. Und dieses sollte eben auch ausgeschöpft werden. (dv)

11. Sep 2018 / 10:35
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