• Eröffnung Medicnova, Gamprin-Bendern
    Für eine Übernahme der Medicnova müsste der Staat mindestens 50 Millionen Franken bereitstellen.  (Tatjana Schnalzger)

Übernahme der Medicnova dürfte 50 Millionen kosten

Sollte das Landesspital das Gebäude und die Infrastruktur der Klinik übernehmen, wäre erneut das Stimmvolk gefragt – die Probleme aber noch nicht gelöst.

Im Oktober 2011 hat das Liechtensteiner Stimmvolk einen 83-Millionen-Kredit für einen Neubau des Landesspitals mit 58,1 Prozent deutlich abgelehnt. Und auch bei der aktuellen Spitaldiskussion wird es um viel Geld gehen. Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini hat bisher zwar keine Summe nennen wollen – dies sei Gegenstand von Verhandlungen. Sollte es aber zu einer kompletten Übernahme der Privatklinik Medicnova in Bendern durch das Landesspital kommen – diese Variante wird etwa vom Krankenkassenverband und dem Landesspital favorisiert –, wird es wohl eine erneute Volksabstimmung geben. Das Klinikgebäude, welches im Besitz der Medicnova Immobilien Anstalt ist, wurde 2017 fertiggestellt und hat 35 Millionen Franken gekostet. Hier werden auch bei besten Verhandlungen wenig Abstriche zu machen sein. Dazu kommt die Klinikeinrichtung, welche auf der Homepage der Betreiberin Medicnova Privatklinik AG mit 15 Millionen Franken taxiert wird. Selbst wenn es hier möglich wäre, den Übernahmebetrag auf null zu reduzieren, müsste in etwa der gleiche Betrag für den Ausbau des oberesten Stockwerkes und die weiteren Umbauarbeiten vorgesehen werden. Damit ist schon jetzt klar, dass der Staat für die Übernahme mindestens 50 Millionen Franken bereitstellen müsste.
Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini erwartet sich in der Juni-Landtagssitzung von den Abgeordneten eine «Stossrichtung». Ein schwieriges Unterfangen, denn noch gibt es viele offene Fragen. Und dennoch sind Entscheidungen gefragt.

Nur eine gütliche Einigung bietet eine Chance
Die finanziellen Probleme des Landesspitals und der Medicnova Privatklinik werden sich nicht in Luft auflösen. Ohne Entscheidung oder allgemeine OKP-Zulassung wird es für die Klinik in Bendern wahrscheinlich schon in diesem Jahr eng. Und auch das Landesspital hat keinen finanziellen Spielraum. Sollte sich im Landtag die Ansicht durchsetzen, dass eine Lösung mit der Privatunternehmung Medicnova nicht möglich ist, dann läuft man Gefahr, dass die Belegärzte der Klinik künftig auch ihre zusatzversicherten Patienten im Spital Grabs operieren. In diesem Fall wäre dem Landesspital kein bisschen geholfen. Im Gegenteil: Dann wären Investitionen in die Infrastruktur in Vaduz notwendig, ohne dass es Aussicht gibt, dass sich die Fallzahlen kurz- und mittelfristig erhöhen. Damit wären weitere Finanzspritzen des Steuerzahlers, um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten, unausweichlich. Damit ist klar, dass nur eine gütliche Einigung zwischen dem Landesspital und der Medicnova Privatklinik die Chance bietet, dass Liechtenstein zu einem vernünftigen Preis ein eigenes Spital betreiben kann. Eine Sicherheit gibt es aber auch dann nicht, da auch ein vereintes Spital mit dem gleichen Auftrag wie heute in Konkurrenz mit den umliegenden Kliniken steht. (sap)

22. Mai 2018 / 07:00
Geteilt: x
2 KOMMENTARE
Und wäre der neue Standort geeignet?
Und betreffend der Zukunft des Landesspitals wird hoffentlich auch kritisch hinterfragt, ob der Standort in Bendern wirklich eine geeignete Alternative ist:
Ist ein Standort in einem Industriegebiet attraktiver (für Patienten aber auch für das Personal) als ein Standort Mitten in Vaduz? Ist es akzeptabel, dass man vom Malbun ins nächste Spital rund 30 Minuten braucht (Rega-Einsatz ist auch nicht immer möglich)? Wie sieht die Anbindung an den öffentlichen Verkehr in Bendern aus? Bietet die Nähe zum Alters- und Pflegeheim, zum Labor-Risch sowie zum Rettungsdienst des Roten Kreuzes nicht wesentliche Vorteile für einen Standort Vaduz?

Und: Kann und will das Land / das Landesspital auf rund 12 Millionen aus dem „Spitalbaufonds“ der Gemeinde Vaduz verzichten? Ich hoffe allen ist bewusst, dass dieser seit Jahrzehnten bestehende Fonds nur für den Bau, Unterhalt und den Betrieb eines Spitals (oder allenfalls eines Alters- oder Pflegeheimes) in Vaduz verwendet werden kann.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 22.05.2018 Antworten Melden
Kooperation wirklich die Lösung?
Nehmen wir an das Landesspital bzw. das Land übernimmt die Medicnova bzw. zumindest deren Räumlichkeiten. Wer garantiert dann, dass die Belegärzte auch in Zukunft dort tätig sind? Es steht wohl jedem Arzt frei, selbst auszuwählen wo er seine Belegarzttätigkeit ausüben möchte. Sprich auch bei einer Übernahme wäre es wohl jedem Arzt möglich seine Verträge zu kündigen und seine Patienten in Grabs, Walenstadt, St. Gallen oder wo auch immer zu behandeln. Eine Lösung dieses Problems wäre vielleicht eine Gesetzesänderung: Wieso wird nicht jeder Arzt, der einen OKP Vertrag hat, verpflichtet seine „Dienste“ dem Landesspital zur Verfügung zu stellen? Entsprechend könnte man zumindest dafür sorgen, dass die allgemein-versicherten Patienten im Landesspital operiert werden müssen. Das würde natürlich einen Eingriff in die Wahlmöglichkeiten der Ärzte bedeuten, jedoch sind mit einem OKP-Vertrag auch grosse Vorteile für einen Arzt verbunden.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 22.05.2018 Antworten Melden

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistkommentiert
24. Mai 2018 / 13:29
Aktuell
18. Juni 2018 / 14:12
18. Juni 2018 / 13:41
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
neuschmid
Zu gewinnen 2 x 2 Karten für die letzte Aufführung Maria und Anna Neuschmid & Jörg Adlassnigg - "Alt", Donnerstag, 28. Juni 2018, Beginn 20.30 Uhr
05.06.2018
Facebook
Top