• Ein Wegweiser mit dem Wort Grundeinkommen
    Das bedingungslose Grundeinkommen wird auch in Liechtenstein kontrovers diskutiert.  (Stadtratte)

Grundeinkommen? «Probieren geht über studieren»

Die Nachricht, dass eine Arbeitsgruppe Grundlagen zur Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens in Liechtenstein schaffen will, führt zu Diskussionen. Die Mehrheit, die sich bisher zu Wort gemeldet hat, steht der Idee positiv gegenüber.

Die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen ist auch in Liechtenstein angekommen. Und immer mehr Bürgerinnen und Bürger scheinen sich ernsthaft dafür zu interessieren, was es damit überhaupt auf sich hat. Dies zeigt der Bericht vom 16. Juli im «Liechtensteiner Vaterland», in welchem zu lesen ist, dass eine neunköpfige Arbeitsgruppe bis 2019 Grundlagen für eine ernsthafte Diskussion in Liechtenstein schaffen will. Nach der Veröffentlichung haben sich sowohl Befürworter als auch Gegner in den sozialen Medien zu Wort gemeldet. Die Arbeitsgruppe dürfte es freuen – denn genau das will sie in einem ersten Schritt erreichen: Dass sich die Menschen mit der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens ernsthaft auseinandersetzen. Dass es dabei sowohl Befürworter wie auch Gegner gibt, dürfte kaum überraschen.

Den Befürwortern geht es um eine ernsthafte Debatte

Überraschend ist, dass die Reaktionen auf den sozialen Plattformen mehrheitlich positiv ausgefallen sind. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Schweizer im Jahr 2016 mit grosser Mehrheit gegen die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens gestimmt haben. Bei der weltweit ersten Volksabstimmung zu einem solchen Vorschlag stimmten 78 Prozent der Teilnehmer dagegen, 22 Prozent dafür. Doch als Niederlage sahen und sehen die Befürworter dies nicht – im Gegenteil. Sie haben damit nicht nur in Liechtenstein eine Debatte losgetreten.

«Mehr vom Leben, als nur zu überleben»

Einige Liechtensteiner sind davon überzeugt, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen bei der demografischen Entwicklung irgendwann kommen muss und in wenigen Jahrzehnten Standard sein wird. «Unser aktuelles (Klassen-)Wirtschaftssystem ist nicht zukunftstauglich. Wir brauchen Alternativen. Und dies schnell. Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein Ansatz, welcher es verdient hat, weitergedacht zu werden», so etwa eine Meinung.  Arbeitsunwillige würden dadurch wegfallen und jene, die wirklich Leistung zeigten, hätten endlich Chancen. «Das Beste, was Liechtenstein und der Bevölkerung passieren könnte. Die bisherigen Tests in europäischen Ländern waren sehr positiv. Es muss sich was verändern – und das ist ein sehr guter Ansatz», zeigte sich eine Liechtensteinerin überzeugt von der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Eine weitere Liechtensteinerin würde das bedingungslose Grundeinkommen lieber  als «Base Solution», also als Basislösung, bezeichnen. «Hier sollte es nicht darum gehen, dass unendlicher Reichtum für die Fleissigen keinen Spass macht, weil andere in unendlicher Faulheit trotzdem über die Runden kommen. Es soll darum gehen, sich am guten Beispiel zu orientieren und den Wissbegierigen Zeit zum Lernen, den Emsigen die Möglichkeit zu einem höheren Lebensstandard und den Kreativen Raum zur Selbstverwirklichung zu geben.» Natürlich bestehe die Gesellschaft «immer aus Menschen mit vorbildlichem und unvorbildlichem Verhalten. Aber wenn das der Grund ist, den Lebenshungrigen die Chance zu nehmen, das absolut Beste aus sich herauszuholen – dann haben die negativen Beispiele leider gewonnen», gibt sie zu bedenken und fügt hinzu: «Ich wünsche mir Unterstützung und Gelassenheit für alle Jungen und Junggebliebenen, die sich mehr vom Leben erwarten, als lediglich zu überleben.»

«Nichts anderes als eine Umverteilung»

Für die Gegner widerspricht das bedingungslose Grundeinkommen hingegen allen «menschlichen Antrieben». Hierbei handle es sich zudem um nichts anderes als eine «altbekannte linke Utopie in einer neuen Packung». «Nennen wir das Kind beim Namen: Es ist Umverteilung, nichts anderes. Und überhaupt: Wer bezahlt das und aus welcher Tasche?» Experimente könnten die Menschen mit ihrem eigenen Geld machen, aber nicht mit der Zukunft eines ganzen Landes.

Wie stark die Meinungen aufeinanderprallen, zeigt sich vermutlich am besten anhand dieser Diskussion: Befürworter: «Warum so mutlos?» Gegner: «Weil ich den Unterschied zwischen Naivität und Mut kenne.» (dv)

 

25. Jul 2018 / 17:54
Geteilt: x
1 KOMMENTAR
Bezahlte vs. unbezahlte Arbeit
Heute wird mehr Arbeit geleistet, welche nicht bezahlt ist, als solche, die bezahlt ist. Ist das OK? Die Meinung zur Frage "bedingungsloses Grundeinkommen, ja oder nein?" hat wesentlich mit dem grundlegenden Menschenbild von anderen und dem eigenen zu tun.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 27.07.2018 Antworten Melden

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