• Landtag 2016 Mai Mittwoch in Vaduz
    Judith Öhri: «Viele Frauen können problemlos mithalten»  (Daniel Schwendener)

«Der Landtag ist nach rechts gerutscht»

Die ehemalige VU-Abgeordnete Judith Öhri ist frustriert darüber, dass Frauen mit einem hohen sozialen Engagement im Landtag offenbar nicht gewollt sind. Sie erwartet nun Aufklärung darüber, wie wichtig die Mitarbeit der Frauen in der Politik ist.

Frau Öhri, im Landtag sind neu nur drei Frauen vertreten. Was sagen Sie zu diesem Ergebnis?
Judith Öhri: Das Ergebnis hat mich sehr betroffen gemacht und ich bin immer noch fassungslos. Es hatte hoch qualifizierte Frauen auf den verschiedenen Listen, die sich u. a. in den vergangenen Jahren für die Anliegen der Frauen engagiert haben. Dies wurde nicht honoriert. Männer kommen aus dem Stand ohne irgendwelche politische Leistungsausweise in den Landtag. Das frustriert sehr. An der Qualifikation und am dem Engagement der Frauen hat es definitiv nicht gelegen! Chancen haben nur Frauen, die eine fast männliche Berufsbiografie haben oder sehr lange im Gemeinderat sassen. Alle, die Richtung hohes soziales Engagement gingen, flogen raus. Der Landtag ist ziemlich nach rechts gerutscht.

Sie waren sowohl im Gemeinderat und wie auch eine Periode im Landtag vertreten. Welche Erfahrung haben Sie als Frau in der Politik gemacht? Wurden Ihre Anliegen gehört?
In unserer Fraktion wurden meine Anliegen gehört, das war nicht das Problem. Ich habe aber festgestellt, dass wir Frauen in den Medien weniger wahrgenommen wurden. Wir sind weder laut noch polternd und politisieren sehr sachlich. Das ist nicht so medienwirksam wie poltern und beleidigen. Ich würde mir wünschen, dass die Frauen in den Medien mit ihren Anliegen sichtbarer wären. Wir Frauen haben uns immer für die Anliegen der Frauen eingesetzt, z. B. bei der Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Hat man davon gelesen? Wohl kaum.

Sie haben sich dazu entschieden, nicht mehr für ein politisches Amt zu kandidieren. Was waren die Gründe dafür?
Ich möchte meinen Traum, in Spanien zu leben, realisieren. Ich habe dort eine Finca, wo ich Appartments vermiete und auch verschiedene Aktivitäten anbiete. Es soll eine Oase werden für Leute, die sich eine Auszeit gönnen, egal ob Singles, Paare oder Kleingruppen. Es besteht meinerseits keine Politikverdrossenheit. Die Politik hat mir immer Freude gemacht.

In Liechtenstein gibt es mehr wahlberechtigte Frauen als Männer. Würden alle Frauen an die Urne gehen und auch Frauen wählen, müsste dies mathematisch gesehen bedeuten, dass auch alle Frauen gewählt werden. Wie erklären Sie sich, dass Frauen offenbar also doch Frauen streichen?
Frauen sind gegenüber Frauen viel kritischer. Offenbar vermitteln Männer den Frauen mehr Sicherheit und Kompetenz. Wenn ich meine Zeit in der Politik ansehe, dann kann ich allen Frauen versichern: Wir Frauen können problemlos mit den Männern mithalten. Bei Frauen wird die Messlatte bedeutend höher angesetzt als bei Männern. Und die Frauen verkaufen sich schlechter. Das ist übrigens nicht nur in der Politik, sondern auch in der Berufswelt so. Bescheidenheit ist nicht in jedem Fall eine Zier! (dv) 

 

14. Feb 2017 / 22:10
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