• Pad Hazel mit seiner neuen Band.

Vom Beat-Pionier zum Altrocker

Pad Hazel, 1948 als Peter Hasler in Vaduz geboren und in Schaan aufgewachsen, will nach seiner Pensionierung nochmals als Musiker durchstarten. Seine neue CD («Till I Found You») ist auf dem Markt, jetzt wartet er auf Festivalauftritte.
Schaan. 

Mit seiner Band «The Chayns» brachte Peter Hasler bereits in Jugendjahren eine neue Musikrichtung nach Liechtenstein: den Beat. «Zu den Zeiten von Chayns war Liechtenstein eine musikalische Diaspora: Es gab keine Disco und auch kein Radio, das moderne Musik spielte», erzählt Hasler im Gespräch.

Ein kleiner musikalischer Vorgeschmack finden Sie hier:

Nur «Hudigägeler» und Marschmusik im Land
Schon als 12-Jähriger habe er im Radio nach Sendern gesucht, die Beat-Musik spielten. Fündig wurde er damals nur bei Radio Luxembourg, dessen Frequenz er immer neu einstellen musste. «Als ich dort «My Generation» von «The Who» erstmals hörte, war es wie eine Erleuchtung für mich», schwärmt Hasler. In Liechtenstein habe man damals nur Marschmusik und «Hudigägeler» gehört. Dies wollte er ändern und gründete 1965 mit Ludwig Walser (Leadgitarre), Josef Walser (Bass) und Wolfgang Jehle (Schlagzeug) seine erste Band «The Chayns». Mit dieser Band, die sich auf Covers spezialisierte, trat er oft auf dem sogenannten Jugendtanz auf, der regelmässig im ehemaligen Waldhotel in Vaduz oder im Rathaussaal in Schaan stattfand. «Die Musik hat mir viel geholfen, in so einem katholischen Land aufzuwachsen», erzählt Hasler. «Wo sonst als beim Jugendtanz hätte man anderen Jugendlichen näher kommen können?» So spielte er als 17-Jähriger auch eine Zeit lang jeden Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag im Keller des ehemaligen Café Wolf in Vaduz. «Es war nicht nur von uns ein Bedürfnis da, zu spielen, sondern auch das Bedürfnis der Jugendlichen, Musik zu hören.»

Vor Prinz Charles auf Schloss Vaduz gespielt
Ob er mit seiner Musik nicht auf Vorurteile gestossen sei? «Nein, Vorurteile gab es eher, weil ich in Schaan einer der ersten mit längeren Haaren war.» Die Mutter einer Freundin habe ihr sogar deswegen verboten, mit ihm auszugehen. Und der Vater schickte ihn manchmal zweimal zum Frisör, wenn die Haare noch nicht kurz genug waren. Die Musik jedenfalls kam an, auch bei Fürstin Gina und ihrem Sohn Hans Adam. Nachdem die beiden die Band in ihrem Proberaum besuchten, durfte sie 1966 bei einer Party auf Schloss Vaduz spielen, an der auch Prinz Charles, Prinz Philipp und Prinzessin Anne zugegen waren. «Natürlich spielten wir dort die ruhigeren Lieder, damit wir auch eingeladen wurden», grinst Hasler. Damals hat die Band auch öfters zwischen Chur und St. Gallen gespielt. «In dieser Zeit waren wir sicher eine der besten Coverbands der Ostschweiz, wobei es aber auch nicht so viele Orte für Auftritte gab.» Ein Auftritt, der dem Musiker bis heute im Gedächtnis blieb, war 1966, als sie beim Fürstenfest auf der Rathaustreppe spielen durften. «Vielleicht dürfen wir dies ja in den nächsten Jahren erneut», mutmasst Hasler.

Angefangen Gitarre zu spielen, hat Hasler als 12-Jähriger bei den Pfadfindern am Lagerfeuer. Damals habe er auch ein paar Wochen Gitarrenunterricht genommen, da der Lehrer ihm aber nur die komplizierten Zupfmuster beibringen wollte, habe er schnell aufgehört. Nach seiner Zeit mit «The Chayns» in Liechtenstein hat er während seiner Studienzeit in Basel weitere Banderfahrungen gesammelt, wo er mit seiner Band «Kato Haze» in den 80er-Jahren erstmals eigene Songs schrieb. 1982 hat er für vier Monate bei Radio Basilisk eine Rocksendung gemacht mit seinen Lieblingsbands wie Talking Heads oder B-52. «Da wollten sie mich aber wieder loshaben, weil ich nicht wahnsinnig gerne Kompromisse eingehe, wenn es um Musik geht», so Hasler. Neben seinem Job als Berufsschullehrer und später als Kursleiter von Lehrerweiterbildungen war er von 1997 bis 2013 in Zürich als DJ tätig. Damals organisierte er zusammen mit drei Kollegen Events im «Quai 61», im «Mascotte» und im «Club Hey». «Das hat mir musikalisch geholfen, weil ich «en vogue» bleiben musste», so Hasler. Obwohl er von der Gitarrenmusik kam, habe er auch elektronische Musik aufgelegt.

«Ich habe nichts zu verlieren»
Mit seiner Pensionierung vor vier Jahren hat sich Pad Hazel, wie er sich heute als Musiker nennt, eine neue Gitarre und ein Mikrofon gekauft und angefangen, neue Lieder zu produzieren. «Jetzt, wo ich wieder mehr Zeit habe, ist es wieder hervorgekommen, eigene Musik machen zu wollen», so Hazel. Als er sich die Frage stellte, was er bereuen würde, wenn er sterben würde, habe es ihn schliesslich bestärkt darin, es nochmals zu versuchen. Er habe nichts zu verlieren, findet der Musiker. «Ich sterbe sowieso, also kann ich mir auch erlauben, Musik zu machen.» So suchte er sich ein paar Musiker, darunter sein Bruder Thomas Hasler (bekannt als Entspannungsmusiker von «Back to Earth») und den Gitarristen Danilo Steinert aus Berlin und nahm ein Album mit zwölf eigenen Songs auf, das 2016 erschien. Seine Lieder kommen in einem modernen Sound daher, deren Rhythmik zum Bewegen animiert: «Die CD ist leicht poppig, live sind wir aber ziemlich rockig», erklärt Hasler.

Zwei Konzerte in Zürich hat die neue Band schon gespielt, nun ist der Sänger und Songschreiber dabei, sich mit einem Konzertmitschnitt vom Konzert im Volkshaus bei Festivals in der Schweiz und Liechtenstein zu bewerben. «Natürlich wäre es für mich schön, mit meiner Musik wieder dahin zurückzukommen, wo ich geboren wurde», so Hasler. «Vielleicht sogar am Staatsfeiertag.» (mk)

12. Dez 2017 / 11:50
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