• Abschluss Erlebe SOL, Vaduz
    Die Pianistin Irina Vaterl sorgte für Gänsehautstimmung.  (Elma Korac)

Virtuoses Feuerwerk

Das Sinfonieorchester Liechtenstein (SOL) schloss am Sonntag für heuer seine Kammermusikreihe. Drei junge Künstler zündeten mit Klavier und Geige ein Feuerwerk.
Vaduz. 

Mit dem vierten «Erlebe SOL»-Konzert endete am Sonntag eine erfreulich erfolgreiche Saison des Sinfonieorchesters Liechtenstein, wie Stiftungspräsident Ernst Walch in der Begrüssung betonte. Kein Wunder, dass da musikalisch förmlich die Sektkorken knallten. In der «kleinen» Konzertreihe im Rathaussaal von Vaduz vertieft das SOL die Dramaturgie seiner Orchesterkonzerte mit Kammermusik.

Die Zusammenarbeit mit der Internationalen Musikakademie in Liechtenstein bietet da eine ideale Plattform. So blickte die Pianistin Irina Vaterl noch einmal auf die Saison zurück, die im Zeichen Robert Schumanns stand. Sie bot mit dem «Faschingsschwank aus Wien» eines seiner grossen Klavierwerke. Somit hat das SOL übers Jahr verteilt den Werdegang Schumanns praktisch von hinten aufgerollt: Vom Violinkonzert, einem seiner letzten Werke überhaupt, im Jänner bis zu seinen Anfangsjahren. In dieser ersten Schaffensphase widmete sich Robert Schumann ein Jahrzehnt lang ausschliesslich dem Klavier. Dabei erprobte er seine individuelle Musiksprache mit ihrer hochromantischen Ausdrucksweise. Im «Faschingsschwank aus Wien» fasste er 1839 diese damals durchaus exzentrisch-revolutionär anmutenden Entwicklungen nochmals zusammen. Danach gelang es ihm, sie auch aufs Orchester zu übertragen.

Schwungvoll rauschten die Akkordbrechungen nach oben. Irina Vaterl liess die vielen kleingliedrigen Gedankensplitter Schumanns aufblitzen, wendete sie im Licht und setzte sie nuanciert gegeneinander ab. Dabei achtete sie darauf, die Form zu wahren. Zu leicht verleitet dieses Stück zu hemmungsloser Aggressivität und lärmender Ironie. Denn zu seiner Exzentrik gehört auch die Träne des Harlekins. Schumanns Faschingsschwank ist eine bittere Reaktion auf gescheiterte Bemühungen. Er konnte in Wien nicht Fuss fassen, sein Lehrer verweigerte ihm die Hand seiner Tochter und die Wiener lagen sowieso seiner Angebeteten zu Füssen und nicht ihm. Irina Vaterl brachte das mit abrupten Stimmungswechseln auf den Punkt. Nur mit manchen Akzentuierungen fiel sie zu abrupt ein. Die Romanze legte sie auf einen traumverlorenen Schlusspunkt an. Auf dem Weg dahin kostete sie minutiöse Verästelungen aus, riskierte so aber stellenweise den Verlust der übergeordneten Spannungslinie. Danach setzte sich Mario Häring auf den Klavierhocker. Auch bei ihm blitzte der Schalk aus allen Tasten – bei Konzertetüden von Nikolai Kapustin und bei Mozarts «Rondo alla turca» in der Fassung von Fazil Say. Häring setzte gleichsam eine jazzgetönte Brille auf und jagte voller Spiellaune über die Tasten. (hw)

Mehr in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Liechtensteiner Vaterlands» vom Montag, 20. November 2017.

 

19. Nov 2017 / 23:07
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