• Ursula Wolf bei der Vernissage ihrer Ausstellung in Mauren  (Jan Kammann)

Tägliches Geschehen festgehalten

Tag für Tag malt die freischaffende Künstlerin Ursula Wolf Personen aus den Landeszeitungen ab - nun wurden die ersten neun Monate in vier Büchlein publiziert, die einige Überraschungen bereithalten.

Seit zwei Jahren zeichnet Ursula Wolf jeden Tag eine Seite in ihrem Skizzenbuch - doch nicht irgend etwas, sondern das, was täglich in den Liechtensteiner Landeszeitungen abgebildet ist.

Dabei liest sie zuerst das «Vaterland» und das «Volksblatt» und nimmt die Dinge heraus, die sie interessieren. Danach ordnet sie die Themen und fasst den Inhalt auf einer A5-Seite zusammen. «Je nach Zusammenstellung der Ereignisse und Personen werden diese in ein anderes Licht gerückt», erklärt Wolf im Gespräch. Da kommt es durchaus vor, dass Trump direkt neben Adrian Hasler sitzt oder eine Liechtensteiner Jungbürgerin neben einem internationalen Spitzensportler steht. Besonders wenn internationale Meldungen direkt neben lokale Vereinsnachrichten gestellt werden, erscheinen manche lokale Themen als relativ unwichtig. Die Bilder werden ergänzt durch Titel, Textteile oder Bildlegenden. Dass dabei durchaus spezielle Kombinationen entstehen, ist kaum verwunderlich. Auch die Tatsache, dass dieses Projekt nicht in jedem Land umsetzbar wäre, ist ihr durchaus bewusst: «Durch die Kleinheit des Landes kann man das Land gut zusammenfassen- auch wenn man sich nicht immer einig ist.»

Frauen stark unterrepräsentiert
Wenn sie jetzt auf ihre anfänglichen Arbeiten zurückblicke, stelle sie immer wieder fest, wie schnell ein damals wichtiges Thema die Bedeutung verliert. «Dies ist besonders erschreckend bei Sachen, die wirklich wichtig sind.» Wobei die Wichtigkeit auch Ursula Wolfs persönliche Einschätzung ist. Neben Politik, Sport und Kultur malt sie auch alltägliche Ereignisse wie Hochzeiten oder Porträts. Sie male sehr gerne auch Frauen, doch diese kämen in den Zeitungen nicht sehr oft vor: «Anfangs habe ich mitgezählt - da waren nur ein Drittel der abgebildeten Personen Frauen.» Meist sind sie auf Gruppenbildern bei sozialen Projekten zu sehen, doch selten alleine. Mit ihrer Vorauswahl versuche sie, Personen eine Wichtigkeit zu geben. Verheimlichen wolle sie dabei aber nichts. «Neben positiven Ereignissen sind durchaus auch Sachen drin, hinter denen ich nicht stehen kann.» Um ihre Meinung doch ein bisschen einfliessen zu lassen, hat Wolf ihre Kunstfigur «Flotti» als neutrale Figur in ihr Skizzenbuch eingebaut. Anfangs habe sie mittels Flotti noch viele Kommentare gemacht, nun finden sich in den Sprechblasen eher ihr wichtig scheinende Aussagen wieder, die in den Zeitungen vorkommen.

Gute Schnappschüsse gesucht
Im ersten Jahr hat Ursula Wolf jeden Monat eine andere Maltechnik angewandt. Einmal sind es Schwarz-Weiss-Porträts, die mit einem Tuschestift gemalt wur- den, einmal farbige Filzzeichnungen und ein anderes Mal Linoldrucke. Durchschnittlich wendet die freischaffende Künstlerin zwei bis drei Stunden für diese Arbeit auf. «Ursprünglich wollte ich meine Maltechnik verbessern und verschiedene Methoden ausprobieren», so Wolf. Dabei suche sie keine Perfektion, sondern gute Schnappschüsse. Da sie direkt in ihr Skizzenbuch malt, gibt es jeweils nur einen Versuch. «Wenn der Linoldruck zum Beispiel zu wenig Farbe hatte, kann ich dies nicht rückgängig machen», erzählt Wolf. Aus diesem anfänglichen Experiment entwickelte sich ein Langzeitprojekt, das sich wie ein roter Faden durch ihr Kunstschaffen zieht. Es sei wie eine Art Zeitgeschichte, die sie mache. «Jeder Mensch, den ich male, wird von mir festgehalten. Denn wer will nach dem Tod schon vergessen werden?» Ursula Wolf könne sich gut vorstellen, mit den Zeichnungen noch 20 Jahre weiterzumachen. «Ich finde es jeden Tag spannend, sodass es sich für mich lohnt, das Projekt langfristig zu verfolgen.»

Eitelkeiten kamen zum Vorschein
Anlässlich der Ausstellung «was heute wichtig war» im Kulturhaus Rössle in Mauren wurden einige der Zeichnungen erstmals öffentlich präsentiert. Dabei seien auch Eitelkeiten zum Vorschein gekommen. Ein Freund habe gesagt: «Ich habe mich gesehen, aber ich komme trotzdem.» Mit ihrer unerschöpflichen Fülle an Zeichnungen habe sie das ganze Haus bespielt. «Was mich sehr gefreut hat, ist, dass die Leute sehr lange in der Ausstellung verweilten.» Lange verweilen können sich die Leser auch beim Durchschauen der vier Büchlein, in denen die ersten neun Monate publiziert wurden und in denen sich sicherlich die ein oder andere Person wiederfindet. (mk)

07. Dez 2017 / 16:32
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