• Filmfest Vaduz 2018
    Das Filmfest Vaduz verzeichnet gestiegene Besucherzahlen.  (Daniel Gassner)

«Liegen über Zahlen des letzten Jahres»

25 Tage lang liess das Filmfest Vaduz auf dem Platz hinter dem Regierungsgebäude die Herzen der Cineasten höher schlagen. Aber ebenso jene der Verantwortlichen: Geschäftsführer Markus Wille zieht ein positives Fazit
Vaduz. 

So richtig in die Details eintauchen konnte Markus Wille noch nicht. Nachdem am späten Sonntagabend der letzte Abspann über die Leinwand geflimmert war, stand für ihn und sein Team zunächst einmal der Abbau an. Arbeiten, die auch am Montag noch den ganzen Tag andauerten. Eines allerdings weiss er schon jetzt: «Wir liegen sicher über den Zahlen vom letzten Jahr.» Kein Wunder, verleiht er den zurückliegenden Wochen da das Prädikat «wirklich gut». Wobei der Zuschauerzuspruch vor allem in der ersten Hälfte des Filmfests ein sehr erfreulicher war. Unter anderem fielen die zwei Abende, an denen die Organisatoren ein «ausverkauftes Haus» vermelden durften, in jenen Zeitraum. Sowohl die Liebeskomödie «Destination Wedding», die am zweiten Samstag im Rahmender «Liewo»-Filmnacht gezeigt wurde, als auch derDokumentarfilm «Weit - Ein Weg um die Welt» eine Woche zuvor erwiesen sich als Publikumsmagneten. Das war gerade bei Letzerem nicht unbedingt zu erwarten gewesen, wie Wille einräumt. «Diese Resonanz war doch sehr überraschend. Ich wusste zwar, dass der Film das Potenzial hat, viele Leute anzulocken. Abertrotzdemhaben wir uns natürlich die Frage gestellt, ob das für einen Samstagabend die richtige Wahl ist.»

Kubricks Kampf gegen den Regen
Wenn doch einmal etwas mehr Stühle unbesetzt blieben, dann stets, weil das Wetter nicht mitspielen wollte. Die Vorführung von Stanley Kubricks Sci-Fi-Meisterwerk «2001: A Space Odyssey », das heuer seinen 50. Geburtstag feiert und deshalb ins Programm aufgenommen wurde, geriet aufgrund starker Regenfälle zu einer relativ intimen Veranstaltung. Auch die letzten drei Abende wurden im Wortsinn von dunklen Wolken überschattet. Zwei weitere Male habe allein schon die Aussicht auf ein Gewitter für eine geringere Resonanz gesorgt, sagt Wille. «Zwischen 18 und 19.30 Uhr beschliessen die Leute, was sie am Abend unternehmen.» Seien die Vorzeichen dann nicht günstig, falle die Entscheidung eben nicht zugunsten des Filmfests aus. Und das ändere sich meist auch nicht mehr. «Da kann es später aufklaren, wie es will.» Verhindern lassen sich solche Begebenheiten nicht. Senkt Petrus den Daumen, ist das schlicht höhere Gewalt. Immerhin haben die Filmfest-Organisatoren aber Voraussetzungen geschaffen, dass ihnen die Wetterkapriolen wirtschaftlich nicht zu stark zusetzen und die Veranstaltung zeitlich ausgedehnt. «Mit 22 Vorstellungen hast du einfach eine grössere Sicherheit», so Wille. Das allein wäre freilich noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Mehr Programm bedeutet schliesslich auch mehr Kosten. Um diese tief zu halten, ist der Verein Film Fest Vaduz deshalb bestrebt, möglichst viel der benötigten Infrastruktur käuflich zu erwerben. «Müssten wir die Sachen alle mieten, wäre es nicht rentabel», erklärt der Geschäftsführer. So aber seien zusätzliche Vorführungen vornehmlich mit einem höheren Personalaufwand verbunden.

Mainstream ist längst keine Option mehr
Dem Publikum, das zeigt die diesjährige Resonanz deutlich, sind ein paar Filmabende mehr nur allzu recht. Die vor Jahren eingeleitete Transformation vom klassischen Open-Air-Kino hin zum Arthouse-Filmfestival wird von den Filmfreunden der Region unverändert mit Begeisterung mitgetragen. Und sie dürfen sich sicher sein, dass sich die Entwicklung in diese Richtung fortsetzen wird. Mit Mainstream-Ware, sagt Wille, sei für ein Filmfest heute nicht mehr viel zu erreichen. «Wenn, dann musst du Filme zeigen, die noch nirgendwo gelaufen sind. Nicht solche, die bereits im Kino waren und auf allen Streamingportalen verfügbar sind.» Die Vaduzer Philosophie bleibt auch aufseiten der Filmschaffenden nicht ohne Widerhall. In mehreren Fällen, erzählt Wille, hätten Produzenten angeboten, dass der Regisseur, der Drehbuchautor oder ein anderer Verantwortlicher bei der Vorführung vor Ort sein könne. Doch so gern die Verantwortlichen einen weiteren Schritt in Richtung Filmfestival getan hätten, sie mussten letztlich passen. Dafür, so Wille, fehle es gegenwärtig an der notwendigen Infrastruktur, aber auch an Geld. Ein Zustand, der freilich nicht in Stein gemeisselt ist. «Wir werden uns sicher unsere Gedanken machen.» (bo)

 
28. Aug 2018 / 10:21
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
23. September 2018 / 05:23
23. September 2018 / 07:10
23. September 2018 / 11:09
23. September 2018 / 00:29
Meistkommentiert
06. September 2018 / 16:29
13. September 2018 / 06:16
13. September 2018 / 12:13
14. September 2018 / 14:47
20. September 2018 / 10:14
Aktuell
23. September 2018 / 12:10
23. September 2018 / 09:53
23. September 2018 / 09:45
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
wiesngaudi
Wir verlosen 2 x 2 Tickets zur letzten Wiesngaudi am 6. Oktober im SAL in Schaan
27.08.2018
Facebook
Top