• Junges Theater
    50 Darsteller spielen gemeinsam im Stück «Weiss wie Schnee».

Ein musikalisches Wintermärchen

Das Junge Theater Liechtenstein bringt für die Gemeinschaftsproduktion «Weiss wie Schnee» 30 Kinder und 17 Erwachsene auf eine Bühne. Gestern war Premiere im TAK in Schaan.
Schaan. 

Verträumte Wintermelodien erklingen aus den Boxen. Am hinteren Bühnenrand schreibt ein Mann mit der Feder in ein dickes Buch, während ihm sein Freund zuschaut. Plötzlich klingelt es an der Tür und eine ärmliche Frau betritt die Wohnung. Freudig begrüssen die zwei Männer die Bäuerin, die gekommen ist, um ihnen weitere Hausmärchen zu erzählen. Bei den Schriftstellern handelt es sich um Jakob und Wilhelm Grimm, besser bekannt als die Gebrüder Grimm, die dabei sind, den zweiten Band der Sammlung an Hausmärchen niederzuschreiben.

Fotostrecke: Premiere Weiss wie Schnee
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50 Akteure gleichzeitig auf der Bühne
Szenenwechsel. Die Gebrüder Grimm erzählen einer Kinderschar aus ihrem neusten Buch. Das Märchen von Schneewittchen wird gewünscht. Es beginnt mit der tänzerischen Inszenierung einer Winterlandschaft. Die Kinder der U7-Theatergruppe wirbeln, als Schneeflocken verkleidet, über die Bühne. Wenig später kommen die U9-Kinder dazu, die dick eingepackt in der Schneelandschaft herumtollen. Jedes der 20 Kinder sagt ein Gedicht auf- mal fliessender, mal etwas holpriger. Dann wird ein Schneemann - dargestellt von Mathias Märk - gebaut. Die Kinder tanzen um ihn herum und singen ein Lied. Plötzlich erreicht das Dorf die Nachricht, dass die Königin ein Kind bekommen hat. Die Bewohner sind in heller Aufregung und überlegen, was sie denn der Prinzessin schenken sollen. «Eine Schüssel voller Geduld», «ein Korb voll Hilfsbereit- schaft» oder «eine Badewanne voller Liebe». Die gesamte Bevölkerung - gespielt von den Gruppen Theater Trotzdem und Theater Plus - feiert ein Fest und tanzt zu lüpfiger Musik. Erstmals stehen so alle 50 Darsteller gemeinsam auf der Bühne, was ein eindrückliches Bild erzeugt.

Geschichte ins Heute übertragen
Dann folgt die schreckliche Nachricht: Die Königin starb bei der Geburt. Die Kinder protestieren; man könne doch nicht einfach die Mutter eines Kindes sterben lassen. Kurzerhand wird nach einem alternativen Geschichtsverlauf gesucht und die Idee taucht auf, dass sich die Eltern scheiden lassen und die Mutter auszieht. Gesagt, getan. Die Mutter (Roswitha Fehr) zieht aus, der Vater (Jörg U. Wanger) hat eine neue Freundin (Jutta Ospelt). Nach einer ausschweifenden Shoppingtour posiert die schönheitsbesessene Frau vor dem Spiegel und tanzt im Freudentaumel zu «Willkommen -bienvenue-welcome» (gesungen vom Theater Plus), später singt sie im Duett mit der richtigen Mutter «Life is a cabaret». Die Stiefmutter schaut kritisch auf ihre «neue» Tochter und gönnt ihr ihr gutes Aussehen nicht. Sie wird immer eifersüchtiger und fragt den Spiegel (in dem sich weisse Gestalten verbergen) immer wieder: «Wer ist die Schönste im ganzen Land?» Die Antwort lautete immer «du, liebe Königin», bis sich eine der Gestalten (Katharina Reinisch) verplapperte und «Schneewittchen» rief. Die Stiefmutter schäumte vor Wut und beauftragte den Jäger, sie in den Wald zu führen und zu töten. Auch diese Version schien den Kindern zu brutal. Das Mädchen soll aufs Internat geschickt werden und auf dem Weg dorthin fortlaufen. Statt auf die sieben Zwerge traf sie auf eine Gruppe von Kindern, die sich in einer Baumhütte trafen, wenn sie zu Hause Probleme hatten. Nach langer Suche fanden die verzweifelten Eltern ihr Kind wieder und schlossen es in ihre Arme.

In der aktuellen Eigenproduktion zeigte das Team vom Jungen Theater erneut, wie Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt in einem Stück auftreten können. Darin enthalten war auch ein Schönheitswettbewerb mit der Theatergruppe Trotzdem (Andreas Aprile, Sandra Bortolotti, Michael Marxer, Mathias Märk, Cyril Lind, Reno Rüegger, Pamela Cimino und Theres Senti), in dem nicht nur auf die äusseren Werte der Akteure eingegangen wurde, sondern auch die guten Eigenschaften und Fähigkeiten der Personen Beachtung fanden. Dank eines schlichten Bühnenbilds, das mit Videoaufnahmen von mehreren Landschafts- und Architekturmodellen live auf die halbtransparente Leinwand übertragen wurde, standen die 50 Akteure mit ihren stimmigen Kostümen ganz im Zentrum des Geschehens. Besonders die Adaption des historischen Märchens in die heutige Zeit verleiht der Geschichte eine aussergewöhnliche Relevanz. (mk)

05. Dez 2017 / 11:46
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