• Sara Domjanic tritt beim Festival Next Generation vier Mal als Solistin auf.  (Christine Kocher)

Ein Jungtalent auf der Überholspur

Sie spielte schon in Dubai und Nowosibirsk, war Solistin beim Hong Kong Philharmonic Orchestra und tritt im Oktober in der Elbphilharmonie Hamburg auf. Davor gibt Sara Domjanic als «Artist in Residence» beim Festival Next Generation ein Heimspiel.
Nendeln. 

Mit vier Jahren hat sie angefangen, Geige zu spielen, weil sie im Fernsehen einen bekannten Geiger gesehen habe. Von da an war es für Sara Domjanic klar, dass sie sich auf das Geigenspiel fokussieren möchte. Natürlich habe sie in der Volksschule auch Klavier gespielt, aber Geige war immer das, was sie wollte.

Begonnen hat Sara Domjanic normal mit Geigenunterricht in der Musikschule in Eschen bei Markus Kessler, danach nahm sie Privatunterricht in Luzern. Mit elf Jahren machte sie die Aufnahmeprüfung an der Universität der Künste in Berlin und studierte dort neben der Schule für vier Jahre als Jungstudentin. Mit 15 wechselte sie nach München. Mit 17 Jahren zog sie nach Berlin und begann dort an der Hochschule für Musik Hanns Eisler bei Prof. Antje Weithaas ihr Studium. Noch zwei Jahre braucht die mittlerweile 20-Jährige bis zum Abschluss, doch danach will sie noch den Master an der gleichen Hochschule anhängen. Die vielen Konzerte und das Reisen fordern auch ihren Tribut. Nach zwei Jahren war sie dieses Weihnachten das erste Mal für eine längere Zeit wieder zu Hause.

Eurovision Contest als Sprungbrett
Doch wie kam Sara Domjanic zu ihrer regen Konzerttätigkeit? «Zuerst habe ich die ganzen kleinen Wettbewerbe wie durchlaufen», erzählt die aufgeweckte 20-Jährige im Gespräch. 2014 dann startete sie mit 16 Jahren für Kroatien am Eurovision Young Musicians, dem Songcontest für klassische Instrumente. Dort schaffte sie es bis ins Finale in Köln und spielte im Mai 2014 mit dem WDR Sinfonieorchester. «Ab diesem Zeitpunkt kamen dann mehr und mehr Konzertangebote», erzählt sie. Durch diesen Wettbewerb bekam sie Auftrittsmöglichkeiten im Schloss Esterhasy in Eisenstadt, beim Menuhin-Festival in Gstaad oder auch bei sehr vielen Konzerten in Kroatien. Seit 2016 lebt und studiert Sara Domjanic in Berlin, doch «auch hier kann ich mich nicht beklagen über zu wenig Konzerte».

Türöffner für die vielen Anfragen war sicher ihr Auftritt in Bad Kissingen, den sie durch ihr Jungstudium in Berlin bekam: «Dort spielte ich im Regentenbau mit dem L'Orchestre Philharmonique de Marseille unter der Leitung von Lawrence Foster», schwärmt sie. Weil dort ein weiterer bekannter Dirigent im Publikum sass, bot er ihr an, in Hongkong zu spielen. Und so kam es, dass Sara Domjanic an Silvester 2016/2017 als Solistin mit dem Philharmonic Orchestra in Hongkong spielte. Im September letzten Jahres konzertierte sie als Solistin in Singapur, in November in Dubai und im Dezember in Nowosibirsk. «Ich fühl mich unglaublich geehrt, dass ich schon in so vielen Städten und Ländern spielen durfte. Es war schon speziell, innerhalb von zwei Wochen im 30 Grad heissen Dubai und danach im minus 30 Grad kalten Nowosibirsk zu spielen», so die Musikerin.

Dass sie soviel reisen darf, dafür zeigt sie sich dankbar. Auch dankbar ist sie dafür, dass ihre Eltern überhaupt keinen Druck auf sie ausgeübt hatten. «Ich hatte mir schon immer selbst hohe Ziele gesteckt», gesteht sie. Sie habe eine ganz normale Kindheit gehabt, in der sie auch schon die eine oder andere musikalische Krise hatte. «Mit fünf Jahren wollte ich einmal aufhören, weil ich dachte, ich kann ja schon alles», erzählt sie lachend. Doch aufgegeben hat Sara Domjanic natürlich nicht, sondern arbeitet weiterhin fleissig an ihrer Karriere. Obwohl sie viele Konzerte hat, ist es ihr wichtig, ständig Neues dazuzulernen. «Man hat nie ausgelernt», ist sie sich sicher. «Man kann immer noch mehr an Stücken arbeiten. Für mich ist es auch sehr wichtig, einfach abzuschalten und den Körper von der Musik leiten zu lassen.» Dass Sara auf dem richtigen Weg ist, zeigt ihr Plan fürs angebrochene Jahr.

Als Solistin in der Elbphilharmonie
Auch dieses Jahr ist Sara Domjanics Terminplan schon recht ausgefüllt. Im März spielt sie in der ABO-Kammermusikreihe «Erlebe SOL» mit einem Gitarrenquintett im Rathaussaal in Vaduz, Ende März geht es nach St. Petersburg, im April gastiert sie als Solistin bei der «Alpenarte» in Schwarzenberg und im Mai spielt sie eine Uraufführung eines Stücks von Josip Slavenski, das erst vor Kurzem wieder gefunden wurde, in der Heimatstadt ihres Vaters sowie bei einem Festival in München. Im Juni spielt sie ein Rezital in Bad Cannstadt bei Stuttgart. Und im Oktober ist ein weiteres Highlight geplant: Mit dem Ensemble Esperanza darf sie als Solistin in der Elbphilharmonie in Hamburg spielen.

«Artist in Residence» beim Festival Next Generation
Zuerst steht jedoch noch im Februar dieses Jahres ein grösseres Festival in der Region an: Das «Next Generation Festival» in Bad Ragaz. Nachdem sie schon seit der Gründung des Ensembles im Jahr 2015 als Mitglied des Ensemble Esperanza beim Festival dabei war, freut sie sich sehr auf die Möglichkeit, erstmals dort als Solistin auftreten zu dürfen. Doch sie ist nicht nur Solistin, sondern auch «Artist in Residence». Das heisst, dass sie gemeinsam mit einem zweiten Musikerkollegen das gesamte Festival über im Grand Resort wohnt und mehrere Auftritte absolviert. Schon das Eröffnungskonzert am 16. Februar bestreiten die beiden Künstler mit Geige und Klavier gemeinsam. Der dritte Festivaltag steht ganz im Zeichen der Geigerin. Als Artist in Residence darf sie, wie auch ihr Kollege Robert Neumann, ein Solorezital im Grand Resort spielen. Auf diesem Programm steht die Chaconne von Tomaso Antonio Vitali, die Sonate von Richard Strauss und das Mendelssohn-Oktett. «Ich möchte viele Facetten von mir zeigen mit den verschiedenen Epochen», so Sara Domjanic. «Somit habe ich mich selbst vor eine grosse Herausforderung gestellt.» Doch damit ist das Wochenprogramm noch nicht vorbei: Auch beim Acht-Jahreszeiten-Abend vom Ensemble Esperanza steht sie im zweiten Teil mit den Piazolla-Jahreszeiten auf der Bühne. «Das ist ein krasses, aber auch cooles Werk», schwärmt sie. Und beim Abschlusskonzert darf sie «Carmens Fantasie» spielen.

Ob ihr das nicht alles zu viel wird? Manchmal denke sie im Hinblick auf die vielen Konzerte schon, dass sie noch viel üben sollte. «Aber ich freue mich sehr auf die Konzerte und auch, wenn ich so mit meiner Musik den Zuschauern eine Freude machen kann», strahlt sie. Auch in Zukunft hat die junge Frau noch vieles vor: «Mein Ziel ist, auf jeden Fall weitere Konzerte zu spielen, so weiterzumachen wie bisher und auf dem Boden zu bleiben. Ich hoffe, mit meiner Musik weiterhin viele Leute zu erreichen und glücklich zu sein.» (mk)

01. Feb 2018 / 10:37
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