• Eveline und Michael Bermann erhalten die posthume Auszeichnung für Alice Bermann-Cohn.

Alice Bermann-Cohn in Amsterdam posthum geehrt

Die Int. Jüdische Organisation «Bnai Brith» nahm Alice Bermann-Cohn in den Kreis der «Jüdischen Retter von Jüdischen Menschen im Holocaust» auf.
Amsterdam/Vaduz. 

Am vergangenen Sonntag wurde im Nationalen Holocaust-Museum in Amsterdam eine Ausstellung über Alice Bermann-Cohn aus Schaan eröffnet. Durch das NS-Regime in Deutschland verfolgt, war die 22-jährige Jüdin 1936 nach Holland emigriert. Dort arbeitete sie als Reklamezeichnerin und Designerin von Kinderspielzeug.

Mehrmals einer Gefangenschaft entkommen
1940 wurde Holland durch die Deutsche Wehrmacht besetzt, das Nazi-Regime hatte sie eingeholt. Da sie für sich keine weitere Fluchtmöglichkeit sah, beschloss Alice Cohn, anderen Menschen zu helfen. Schon bald wurde sie bei einer solchen Aktion verhaftet und von der Gestapo tagelang verhört, letztlich aber wieder freigelassen.
1942 begannen auch in Holland die Deportationen der Juden in die Konzentrationslager. Fast jede Nacht fanden Razzien gegen die Jüdische Bevölkerung statt, die Nazi-Schergen durchkämmten Strassenzug um Strassenzug. Alice hatte Glück und konnte sich mehrmals verstecken. Dennoch wollte sie aktiv bleiben und begann, Veränderungen an Ausweisen oder Pässen von Verfolgten vorzunehmen. Bald kam sie in Kontakt mit einer Widerstandsgruppe von christlichen Studenten, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, insbesondere jüdische Kinder zu retten. Nachdem sie 1943 die dreijährige Tochter von Freunden vom Sammelplatz gerettet hatte, konnte sie im letzten Moment vor der eigenen Deportation aus Amsterdam nach Utrecht flüchten. Von da an lebte sie unter falschem Namen.

Für Widerstandsgruppe als Fälscherin gearbeitet
Tag und Nacht arbeitete sie für die Widerstandsgruppe «Het Utrechts Kindercomité» als Fälscherin von Personalausweisen und Lebensmittelkarten, denn diese wurden benötigt für die Familien, welche Kinder und auch Erwachsene versteckten. Der Gruppe gelang es, mehr als 350 Kinder zu retten. Das Aufgabengebiet der kleinen Fälschergruppe vervielfachte sich ab 1944, als das Nazi-Regime begann, jüngere holländische Männer in grosser Zahl zu verhaften, um sie als Zwangsarbeiter in Deutschland einzusetzen. Wer in einem wichtigen Betrieb zur Versorgung arbeitete, konnte eine Freistellung erhalten. Alice und ihre beiden Mitstreiter fälschten hunderte von solchen Ausweisen und retteten dadurch ungezählte Menschen.
Durch die Ausstellung, die Evelyne Bermann 2014 in Kooperation mit der Galerie Domus in Schaan über ihre Mutter erarbeitet hat, wurde das Jüdische Historische Museum in Amsterdam auf die Tätigkeit von Alice Cohn als Kämpferin für den holländischen Widerstand aufmerksam.
«Es sind viele Menschen bekannt, die durch gefälschte Personalausweise der Deportation entkommen konnten. Die Menschen, welche die Fähigkeiten und den Mut besassen, diese lebensnotwendige Arbeit auszuführen, blieben bis heute weitgehend unbekannt», so die Kuratorin der Ausstellung Annemiek Gringold. Das Nationale Holocaust-Museum in Amsterdam widmet nun bis 4. März 2018 dieser mutigen Frau eine Ausstellung, welche ihre Arbeit als Fälscherin wie auch als Designerin von Kinderspielzeug in den Jahren von 1936 bis 1947 aufzeigt.

Aufnahme in den Kreis jüdischer Retter
Auf Antrag des Nationalen Holocaust Museums in Amsterdam wurde Alice Bermann-Cohn nun durch die Internationale Jüdische Organisation «Bnai Brith» auch in den geachteten Kreis der «Jüdischen Retter von Jüdischen Menschen im Holocaust» aufgenommen.
 Die Ehrenurkunde wurde anlässlich der Eröffnung der Ausstellung an die Nachkommen Evelyne und Michael Bermann überreicht. Teilnehmen konnte auch der einzige noch lebende Mitstreiter Rut Matthijsen, 96 Jahre, mit seiner Familie. (pd)

03. Nov 2017 / 16:50
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