• Hauptprobe "Kunst", Schaan
    Serge und Yvan geraten aneinander.  (Tatjana Schnalzger)

Premiere im TAK: Wenn Männer reden

Die TAK-Eigenproduktion «Kunst» von Yasmina Reza in der Inszenierung von Tim Kramer wurde vom Publikum mit donnerndem Applaus bedacht. Die gut einstündige Aufführung verführte zum Lachen und zum Nachdenken.
Schaan. 

Ein Freund, ein guter Freund- das ist nicht immer das Beste auf der Welt, aber immer das Beste, um sich selbst zu erkennen. Im Stück «Kunst» von Yasmina Reza bildet eine 15-jährige Freundschaft von drei Männern den Ausgangspunkt für eine Komödie, die sich voller Hintersinn vor dem Publikum entfaltet. Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist ein Gemälde, das sich Serge für sehr viel Geld gekauft hat. Dieses Bild ist weiss, einfach nur weiss, was sein Freund Marc ziemlich «scheisse» findet, wobei nicht ganz klar ist, ob er nur das Bild meint, den Preis oder beides. Yvan, der dritte im Bunde, findet alles «weder-noch» und wird von seinen beiden Freunden daraufhin als «Hybrid» bezeichnet.

Fotostrecke: Premiere von Kunst
Premiere Kunst TAK Schaan 170317
Hauptprobe "Kunst", Schaan
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Hauptprobe "Kunst", Schaan
Hauptprobe "Kunst", Schaan
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Hauptprobe "Kunst", Schaan

An ihren Sesseln sollt ihr sie erkennen
Im TAK blicken die Besucher in eine helle Loftwohnung mit einer ausladenden Couch und einem eleganten Glastisch. Es ist das Zuhause von Serge, der sich zu seiner weissen Wohnung das grosse weisse Bild gekauft hat, das nun schräg über einer Ecke lehnt. Ausstatterin Christina Bertl hat jedem der drei Freunde die gleiche Couch zugedacht, gekennzeichnet werden die Männer jeweils über ihre Sessel: Bei Serge steht ein unbequemer Designer-Hocker aus Zeitschriften, Marc hat einen gemütlichen gelben Ohrensessel und Yvan einen knautschigen Sitzsack, dessen Fliederfarbe sich auch in seinem Pullover wiederfindet. Eine Triptychon-Wand verändert bei den Bildwechseln den Blickwinkel in die Zimmer.

Die Egoisten und ihre Empfindlichkeiten
In diesen sehr ähnlichen Umgebungen hausen die drei sehr ver- schiedenen Freunde. Doch sind das auch Freunde? Regisseur Tim Kramer zeigt sie von Anfang an als Einzelkämpfer, kleine Ich-AGs, die sich für den anderen nicht wirklich zu interessieren scheinen. Oft stehen sie an der Rampe, reden ins Publikum, aber möglichst nicht miteinander. Da ist Serge, der Bilderkäufer, von Beruf Dermatologe, den Fritz Hammel als einen etwas nervösen, leicht in die Jahre gekommenen Feingeist gibt, der immer unter Volldampf zu stehen scheint, dies aber tunlichst zu verbergen sucht. Da zappeln dann nur die Hände und der Kiefer mahlt. Dann Marc, der Ingenieur, bei Matthias Rott ein schlaksiger Zyniker, der schnell mal explodiert und dabei doch haltlos wirkt. Der dritte ist Yvan, der Papierhändler, bei Thomas Beck ein eigenwilliger Quirl, der es jedem recht machen will, der immer um Frieden bemüht ist. Doch er kann auch anders, das beweist er, als er zu spät kommt und als Entschuldigung das Elend seiner bevorstehenden Hochzeit atemlos aus sich herausschleudert. Dafür erhält er einen Szenenapplaus.

Männer reden nicht, Männer sind Konstanten
Das weisse Bild mag Stein des Anstosses gewesen sein. Anstössig ist aber eher die Tatsache, dass die drei Freunde anscheinend nie ehrlich zueinander waren. Und so lässt Regisseur Tim Kramer den Prozess der Demaskierungen abspulen, der am Schluss in einem heftigen Ehekrach mündet. Dabei nennt Serge seinen Freund Marc humorlos und verrät, dass er dessen Frau Paula für absolut reizlos und hässlich hält. Marc wiederum bemerkt hämisch, dass Serge snobistisch wurde, ein zickiger Alter, der gerne alle unter seiner Fuchtel hat. Yvan bekennt seine Angst vor der eigenen Hochzeit und wird wegen seiner Schlichtungsversuche von den beiden Freunden als charakterlos bezeichnet. «Ich bin nicht wie ihr», meint er dazu und führt sich zwischen den beiden auf der Couch auf wie ein Irrwisch. Klar wird hier, Männerfreundschaften funktionieren nicht über das Reden, sondern das Tun. Männer sind sich gegenseitig eine Konstante, vor allem in Krisen.

Und so sitzen am Ende alle drei einträchtig auf der Couch und erkennen in dem weissen Bild die Geschichte eines Skifahrers, der im Schnee verschwindet. Dazu erstrahlt die Bühne plötzlich in hellstem Scheinwerferlicht. Ist den dreien endlich ein Licht aufgegangen. Worüber? Über Kunst? Über ihre Freundschaft? Dass jeder Krach eine reinigende Wirkung hat? Im Filmbusiness wäre das ein klassischer Cliffhanger zu einem Teil zwei. (agr)

20. Mär 2017 / 16:47
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