• Vinyl-Vater mit Kultstatus
    Heinz Mühlegg mit seiner Frau Luisa beim Besuch eines der aufgebauten Kinderheime in Sri Lanka.

Vinyl-Vater mit Kultstatus

Landauf, landab ist er als DJ bekannt: Heinz Mühlegg. Seine Grösse wie auch sein schulterlanges Haar sind seine Markenzeichen. Und noch etwas: Sein grosses Herz für Menschen, die Hilfe brauchen. Wie all jene Kinder in Sri Lanka, für die er sich seit Jahren engagiert.
Ruggell. 

In Rosalis Hüüsle – dort ist Heinz Mühlegg mit seiner Frau Luisa und seinen Kindern schon 30 Jahre lang in Ruggell zu Hause. Ganz hinten am Waldrand, «am Geisszipfel» heisst es dort. Rosali war eine dorfbekannte Frau, bei der viele gerne auf einen Tee oder Sirup einkehrten, vor allem nach einem Schlittelspass dort hinten beim Hügel. Für Heinz Mühlegg – geboren in Eschen, kurze Zeit wohnhaft im Bernbiet, später in Triesenberg und Vaduz – war es damals ein Traum, gemeinsam mit seiner Frau in einem kleinen, feinen Haus am Waldrand zu wohnen. Eine Freundin seiner Schwiegermutter, die damals im Immobilien-Geschäft tätig war, machte das Paar auf das leerstehende Haus aufmerksam. Kurzerhand besichtigt, war für Heinz Mühlegg und seine Frau Luisa klar: Das ist es! Und noch heute ist es ihr Zuhause, in das vor 30 Jahren auch ihr erster Adoptivsohn aus Sri Lanka einzog. Der zweite Adoptivsohn – ebenfalls aus Sri Lanka – machte vier Jahre später die Familie Mühlegg komplett. 

Erste Gehversuche als DJ im Café-Wolf-Keller
So idyllisch Heinz Mühlegg am Ruggeller Waldrand lebt – wobei mittlerweile neben Rosalis Hüüsle mehrere grosse Wohnblocks entstanden sind – so wild kann es der 65-Jährige auch krachen lassen. Denn die meisten verbinden den grossen Mann mit den schulterlangen Haaren mit viel Vinyl. Mit Musik. Mit Party. 
Heute dürfte Heinz Mühlegg der älteste DJ im ganzen Land sein – «auf alle Fälle zumindest der dienstälteste», korrigiert Heinz Mühlegg lachend. Müde vom Lieder aussuchen, diese abzuspielen und zwei Platten ineinander übergehen zu lassen, so dass zwischen den einzelnen Titeln keine Pause entsteht, ist Heinz Mühlegg noch lange nicht. Obwohl er schon mit 17 Jahren hinter dem Mischpult gestanden ist – «das war 1971 in der Turnhalle in Vaduz, wo ich meine Wanderdiscothek hatte», erinnert sich der Kult-DJ. Ebenso gut erinnert er sich an seine ersten Gehversuche als DJ im Keller im ehemaligen Café Wolf. In all den Jahren gab es einige Riesenpartys, bei denen er am DJ-Pult für Stimmung sorgte. Nicht nur in Liechtenstein: «Es war um 1975, als ich für ein Unternehmen in Belgien, in welchem ich damals ein automatisches Getränkelager aufbaute, bei einer Firmenparty auflegte», erzählt Heinz Mühlegg. «Ja, dort ist es voll abgegangen», sagt er und es scheint, als ob sich diese Bilder von damals wie ein Film vor seinem inneren Auge abspielen. Ebenso erinnert er sich noch genauso gut an jenen 15. August, als er noch seine Wanderdisco in der alten Turnhalle in Vaduz hatte. «Bis das Fest auf dem Marktplatz nebenan vorbei war, durften wir keinen Mucks machen», erzählt er. «Dann aber ging’s so richtig los – damals noch auf einer 30-Watt-Anlage.» Solch eine Anlage gibt es gar nicht mehr, die Leistungen sind heute ausschliesslich auf Kilowatt-Niveau. 


«Musik ist zur Massenware geworden»
Nicht nur die Stärke der Leistung von Musikanlagen hat sich im Laufe der Jahre verändert – auch die Musik selbst, abgesehen von den Interpreten. Während zu dieser Zeit «Sweet», die «Beatles» oder etwa Leonhard Cohen rauf und runter gespielt wurden, heissen die Stars heute Sido, «The Weekend», Rihanna und weitere, die Tanzwütige zur Hochform auflaufen lassen. Und natürlich hat sich auch die Produktionsart verändert: Während Musiker früher für ein eigenes Aufnahmestudio schnell einmal einen Geldbetrag in Millionenhöhe auftreiben mussten, lassen sich die Songs heute in kaum minderer Qualität mit dem Laptop oder dem Handy produzieren. «Entsprechend ist die Musik zur Massenware geworden», sagt Heinz Mühlegg. Durch die permanente Verfügbarkeit übers Internet habe die Musik an Wert verloren. Während Musikliebhaber für eine Direktschnitt-LP locker mal 50, 60 Franken zahlten, darf es heute nichts mehr kosten. Muss es auch nicht, es gibt sie ja über verschiedenste Kanäle gratis und zwar in bunter Vielfalt. «Der Besitz ist nicht mehr wichtig – Sharing ist das Motto!» 
Unter dieser Entwicklung hat auch sein Musik- und Elektronikgeschäft «Treff» gelitten – «die Miete und der Verkauf rentierte sich nicht mehr.» Vier Jahre ist es nun her, dass Heinz Mühlegg sein Ladenlokal im Lova-Center in Vaduz geschlossen hat. Mit dem Geschäft aufgehört habe er allerdings nicht – «ich habe mein Geschäft nur auf Briefkastengrösse reduziert», sagt er. Noch immer sei er auf Wunsch im Verkauf tätig und steht für seine Kunden für Beratung und Reparaturen zur Verfügung. 


Geschäft auf Briefkasten-Format reduziert
Seine Leidenschaft gehört aber nicht nur der Musik – seit 30 Jahren setzen sich Heinz und Luisa Mühlegg mit «Lankahelp» für Hilfe vor Ort in Sri Lanka ein. Jährlich dürfen sie Spenden von Privaten, Firmen und Stiftungen in der Höhe von rund 150 000 Franken entgegennehmen, wofür das Paar sehr dankbar ist. Das Geld investieren sie vor Ort in verschiedenste Projekte wie ein Kindergarten in Kimbissa, ein weiterer mit Lehrpersonalhaus und Hostel für Mädchen und Knaben in Kandalooya, Pausenbrote, Mittagessen, sowie Früchte und Milch für die Schüler der Catholic School in Koralawella, ein Kinderheim in Nikapotha, neun Kindergärten in Monaragala und ein Schulbau in Kalmonai. Weiters investiert Lankahelp die Spenden in Projekte für Eltern- und Schülersensibilisierung für die Bildung sowie für Stipendien, die mittlerweile 32 Schulkindern und Studierenden gewährt werden kann. Heinz Mühlegg zeigt ein Bild von drei jungen Erwachsenen, die es aus dem Heim an die Universität geschafft haben. Eine kleine Meisterleistung, wenn man sich vorstellt, dass jährlich lediglich 600 Schülerinnen und Schüler aus insgesamt 10 000 ausgewählt werden. «Zugegeben, das macht mich schon ganz schön stolz», sagt Heinz Mühlegg, während er von einer summenden Melodie unterbrochen wird, die aus seiner Hosentasche klingt. «Moment», entschuldigt er sich und nimmt den Anruf auf seinem Handy entgegen. Kurze Zeit verabschiedet er sich wieder mit dem Versprechen, eine für den Kunden entsprechende Musikbox auf dem Markt zu suchen und sich schnellstmöglichst bei diesem wieder zu melden. Sein Geschäft in Briefkasten-Format scheint tatsächlich zu laufen. 


Immer wieder – wenn auch skurrile – Aha-Erlebnisse
«Ja», nimmt Heinz Mühlegg das Gespräch wieder auf, «solche Nachrichten wie die Schüler, die es auf die Uni geschafft haben, erwärmen das Herz.» Die Herzen erwärmt er und seine Frau auch von den Menschen in Sri Lanka, denen sie mit den gesammelten Spenden zu einem besseren Leben verhelfen. So schreibt beispielsweise die Leiterin der Kindergärten in Monaragala, Frau Karthiyaini, im aktuellen Lanka-News-Bericht: «Die letzten zehn Jahre haben wir ohne Lohn gearbeitet und unsere Familien haben immer mit uns geschimpft, weil wir trotzdem arbeiteten. Dank Lankahelp bekommen wir jetzt endlich einen Lohn und sind den singhalesischen Lehrerinnen gleichgestellt, was uns ebenbürtig macht.» 
Einmal im Jahr reisen Heinz Mühlegg und seine Frau für ein paar Wochen nach Sri Lanka, um die Projekte zu kontrollieren. Mit an Bord waren früher die beiden Kinder Felix und Stefan, die auch jetzt noch gelegentlich mit nach Sri Lanka kommen. Auch nach 30 Jahren gebe es immer wieder grosse Aha-Erlebnisse, wie Heinz Mühlegg sagt. So zum Beispiel, als er und seine Frau die älteren Kinder in einem Kinderheim in Doppel- und Dreierzimmern unterbringen wollten, da die kleineren Kinder in ihrem Schlaf gestört werden, wenn die grösseren etwas später zu Bett gehen. Dies wurde aber vom Jugendamt in Badulla verboten mit der Begründung: «Es ist nicht erlaubt, grössere Kinder in Doppel- oder Dreierzimmern unterzubringen, da die Kinder sonst schwul und/oder lesbisch würden.» In Sri Lanka sei dies so – sie hätten eben eine andere Kultur.


Über Unterstützung sehr dankbar
Lankahelp ist und bleibt auch künftig eine Herzensangelegenheit von Heinz und Luisa. Dennoch möchten sie so langsam eine Nachfolge organisieren – «damit wir wissen, dass die Hilfe für die Menschen in Sri Lanka nie abbrechen wird.» Und a propos Hilfe: Menschen, die sich im Kinderheim in Nikapotha, in den Kindergärten oder den Schulen vor Ort einbringen möchten, sind jederzeit herzlich willkommen. Wie Heinz Mühlegg sagt, ist vor allem der Englisch- und der Computerunterricht sehr gefragt. 
Obwohl sich Heinz Mühlegg gut ein Leben – zumindest zeitweise – in Sri Lanka vorstellen könnte, bleibt er vorerst gerne im Rosalis Hüüsle in Ruggell. «Meine Frau packt schnell das Heimweh», sagt er. Und ausserdem hat Heinz Mühlegg auch hier noch alle Hände voll zu tun. So viel, dass er trotz seinem riesigen Vinyl-Archiv mit rund 10 000 LPs und über 20 000 Singles so gut wie nie dazu komme, zu Hause Musik zu hören. «Abgesehen davon, habe ich dort derzeit überhaupt keine betriebsintakte Anlage», lacht er. Als gelernter Radioelektriker und überaus erfahrener Veranstaltungstechniker ist eine entsprechende Reparatur für ihn jedoch bestimmt keine Hürde – aber eben, Heinz’ Terminkalender ist ohnehin schon ausgefüllt. Als dienstältester Kult-DJ verwundert dies auch nicht. Und schon gar nicht als ein Mensch, der stets ein offenes Ohr für die Menschen hierzulande wie auch in Sri Lanka hat und sich entsprechend für diese engagiert. (bfs)
 

 

20. Mai 2018 / 06:24
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