Vermischtes

Kampagne gegen Spielsucht

Wenn das Spiel zur Sucht wird. Ostschweizer Kantone lancieren gemeinsame Kampagne gegen Spielsucht.
Wenn das Spiel zur Sucht wird. Ostschweizer Kantone lancieren gemeinsame Kampagne gegen Spielsucht.
Rund 120'000 Personen sind in der Schweiz von Spielsucht betroffen. Sechs Ostschweizer Kantone haben nun ein gemeinsames Konzept zur Prävention und Bekämpfung der Abhängigkeit vom Glückspiel erarbeitet. Am Dienstag wurde die Kampagne in St. Gallen präsentiert.

St. Gallen. - Das Glückspielangebot in der Schweiz ist gross. In sieben A- Casinos und zwölf B-Casinos kann legal gespielt werden. Am Flughafen Zürich ist ein weiteres Casino geplant. Noch beliebter sind Lotterien und Wetten. Auch im Internet boomt das Glücksspielgeschäft.

Rund 60 Prozent der Bevölkerung hat schon einmal an einem Glückspiel teilgenommen. Der Grossteil spiele zum Vergnügen, sagte Herbert Bamert, Beauftragter für Suchtfragen des Kantons St. Gallen, am Montag vor den Medien.

Wenn Glückspiel vom harmlosen Freizeitvergnügen zum wichtigsten Lebensinhalt wird, kommt die Sucht mit ins Spiel. Immerhin zwei Prozent oder rund 120'000 Personen zeigen ein abhängiges Spielverhalten. Rund 80 Prozent der Spielsüchtigen sind Männer.

Aufklären, sensibilisieren

Die Suche nach dem Risiko gehe nicht nur ins Geld, auch die Partnerschaft, der Arbeitsplatz und die gesamte Lebensgrundlage stehe auf dem Spiel, sagte Bamert.

Die Ostschweizer Kantone St. Gallen, Glarus, Graubünden, Thurgau und beide Appenzell haben das wachsende Problem erkannt. Gemeinsam wurde ein Konzept gegen die Spielsucht erarbeitet. Mit der Umsetzung wurde die Perspektive Thurgau beauftragt. Die Betriebskosten von rund 65'000 Franken im Jahr werden aus Mitteln der Interkantonalen Landeslotterie Swisslos finanziert.

Es brauche Aufklärung und eine Sensibilisierung für die Risiken von Glückspielangeboten, sagte Christa Bot, Projektleiterin der Kampagne «Gesetzt! Verspielt! Verschuldet?». Spielsüchtige und deren Angehörige haben nun die Möglichkeit, sich über die Internetseite www.sos-spielsucht.ch Rat zu holen.

Auf einer Helpline erhalten Betroffene eine professionelle und anonyme Erstberatung. Die Suchtfachstellen der Kantone bieten zudem weiterführende Beratungen und vertrauliche Gespräche an.

Damian Caluori, Leiter der Beratungsstelle für Suchtfragen Appenzell Ausserrhoden, schilderte seine Erfahrungen aus der Praxis. Zurzeit berät seine Stelle fünf Spielsüchtige bei insgesamt 130 Langzeitberatungen. «Die Zahl steigt. Vor fünf Jahren haben wir noch keinen einzigen Spielsüchtigen beraten», sagte Caluori.
Spielsperren

«Wir sprechen jeden Tag eine Person in unserem Casino auf ihr Suchtverhalten an», sagte Massimo Schawalder, Direktor der Grand Casino St. Gallen AG, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. 300 Personen sind beim Casino St. Gallen mit einer Spielsperre belegt.

«250 davon sind freiwillig», erklärte Schawalder. Spielsperren können frühestens nach einem Jahr wieder aufgehoben werden. Für viele Betroffene sei es aber sinnvoll, sich über Jahrzehnte an die Spielsperre zu binden, meint Caluori. Zurzeit sind in der ganzen Schweiz 23'000 Personen mit einer Spielsperre belegt. (sda)

9.2.2010 / 15:00 / lv
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