Asylsituation fordert die Behörden
Die stetig steigende Zahl an Asylbewerbern aus Ostafrika hat die zuständigen Liechtensteiner Behörden dazu veranlasst, in einer Pressekonferenz über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren. Ein Unterfangen, das angesichts der Situation nicht ganz einfach ist. In einer im Vorfeld der Konferenz verfassten Pressemeldung ist davon die Rede, dass seit Anfang September 116 Somalis und 72 Eritreer in Liechtenstein um Asyl angesucht hätten. Diese Zahlen waren zu Beginn der Konferenz bereits wieder veraltet.
«Wir könnten jeden Tag neue Zahlen verkünden», sagte Hans Peter Walch, der Leiter des Ausländer- und Passamts (APA). Dies zeige das Ausmass der für Liechtenstein aussergewöhnlichen Situation. Abzüglich der 18 an die Schweiz überstellten Asylbewerber und der 17 untergetauchten müssen derzeit über 150 Personen Untergebracht und verpflegt werden. 105 von ihnen bietet das eigentlich für 60 bis maximal 90 Personen ausgelegte Aufnahmezentrum derzeit ein Dach über dem Kopf. Weitere sind im Zivilschutzraum beim Liechtensteinischen Gymnasium, in den alten Zollwohnungen in Schaanwald und im Postgebäude in Bendern untergebracht. «Diese Unterbringungssituation ist für die Asyl Suchenden hart, und es kann sich daher nur um eine vorläufige Massnahme handeln», sagte die Leiterin des Aufnahmezentrums, Marie Louise Eberle.
Um die Sicherheit zu gewährleisten, ist im Aufnahmezentrum nachts immer ein Angestellter einer privaten Bewachungsfirma vor Ort. Die übrigen Unterbringungsorte werden von Patrouillen privater Sicherheitsfirmen und der Landespolizei kontrolliert.
Eingereist beziehungsweise von Schleppern eingeschleust worden sind die Asylbewerber vermutlich zu einem grossen Teil über Italien und die Schweiz und von dort mit dem öffentlichen Verkehr oder in Taxis nach Liechtenstein. Zum Teil hatten die Flüchtlinge aber auch bereits in europäischen Staaten wie Norwegen oder Schweden um Asyl angesucht und sind erst in der Folge nach Liechtenstein gekommen.
Die Lage ist dabei nicht unbedingt aufgrund der absoluten Zahlen neu für Liechtenstein. Zu Zeiten des Kosovokrieges Ende der 90er-Jahre habe Liechtenstein über 600 Flüchtlinge aufgenommen, führte Marie Louise Eberle weiter aus. Dabei habe es sich aber grösstenteils um Familien gehandelt, während heute in der überwiegenden Mehrheit einzelne Männer um Asyl ansuchen. «Und es ist einfach so, dass in unserem Land 100 Schwarzafrikaner stärker auffallen, als 600 Kosovaren», sagte Marie Louise Eberle.
«Es geht hier keineswegs darum, Stimmung gegen Einzelpersonen zu machen», sagte Hans Peter Walch wiederum in Bezug auf die aktuelle Situation. Die Schicksale berührten und angesichts der bürgerkriegsähnlichen Zustände in ihren Heimatländern sei Verständnis für die Flüchtlinge angebracht. «Dennoch reichen unsere Strukturen für einen solchen Ansturm auf die Dauer nicht mehr aus.» Liechtenstein habe daher umgehend reagiert und weitreichende Massnahmen ergriffen, um der Lage Herr zu werden. (hb)
















