• Titel des Bildes

Aufsicht zeigt Quantum Leben die gelbe Karte

Die Liechtensteiner Finanzaufsichtsbehörde hat dem Versicherer Quantum Leben das Neugeschäft untersagt ? wegen mangelhaftem Kapitalnachweis. Das Unternehmen prüft, die Verfügung anzufechten.

VON PATRICK STAHL

Vaduz. – Der liechtensteinische Lebensversicherer Quantum Leben darf vorübergehend keine neuen Versicherungsgeschäfte mehr abschliessen. Die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) hat dem Unternehmen per sofort die Einstellung des Neugeschäfts verordnet. Die Massnahme sei zum Schutz der Interessen der Versicherten veranlasst worden, teilte die Aufsichtsbehörde gestern mit. Ein externer Sonderbeauftragter soll die Umsetzung der von der FMA angeordneten Massnahmen überwachen.

Zweifel an Kapitallage

Die Behörde hat mit dieser Massnahme drakonische Schritte gegen den Versicherer ergriffen, die in den vergangenen Jahren ohne Beispiel sind. Als Grund für diesen Schritt verweist die Aufsichtsbehörde auf die finanzielle Situation der Quantum Leben. Es sei unklar, ob die gesetzlichen Kapitalvorschriften eingehalten würden, heisst es in einer Mitteilung der FMA.

Im Klartext: Die Aufsichtsbehörde zweifelt offenbar daran, dass die Gesellschaft über genügend Eigenkapital verfügt, um die Ansprüche der Versicherten decken zu können. Ein Sprecher der FMA wollte sich mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht zu näheren Einzelheiten äussern.

Opfer von Betrugsfällen

Quantum Leben leidet nach eigenen Angaben an den Folgen von «etlichen Wechseln im Management» und «Betrugsfällen durch ausländische Vermittler», wie der Versicherer in einer schriftlichen Stellungnahme festhält. Diese Vorfälle hätten auch zu mehreren Kontrollen durch die FMA und zum Einbezug einer externen Revisionsstelle geführt, heisst es in dem Schreiben weiter. In der Überprüfung des Quartalsabschlusses per Ende März 2010 sei die Revision aber nicht auf Unregelmässigkeiten gestossen, schreibt Quantum Leben.

Um die Kapitallage wieder zu verbessern, hat der Versicherer seit Ende des Jahres 2008 das Aktienkapital kontinuierlich von 10,1 auf aktuell 18,3 Millionen Franken erhöht. Allein in den vergangenen zwölf Monaten schossen Investoren achtmal Geld in die Gesellschaft ein, wie ein Blick in die Amtlichen Kundmachungen des Grundbuch- und Öffentlichkeitsregisteramts in Liechtenstein zeigt.

Eine weitere Kapitalspritze im Umfang von einer halben Million sei bereits gezeichnet, schreibt Quantum Leben. Das tatsächliche Kapital liege damit weit über den gesetzlichen Anforderungen: Die Ansprüche der Versicherten seien ebenfalls nicht in Gefahr, heisst es in der Stellungnahme.

Zukunft der Beschäftigen in Gefahr

Die Gesellschaft wählt harte Worte gegen das Vorgehen der FMA. Mit dieser Verfügung würde die bisherige Marktstellung des Versicherers «zunichte gemacht» und die Zukunft der Beschäftigen aufs Spiel gesetzt, schreibt das Unternehmen. Es sei absehbar, dass verunsicherte Kunden ihre Geschäftsverbindungen auflösen würden. Dies habe zwangsläufig auch Auswirkungen auf die Mitarbeiter der Quantum Leben.

Das Unternehmen beschäftigt derzeit nach eigenen Angaben 22 Mitarbeiter am Hauptsitz in Vaduz und unterhält eine Zweigstelle in Zürich. «Das Ausmass der Auswirkungen ist momentan noch nicht abzusehen», heisst es bei Quantum Leben. Das Unternehmen prüfe trotzdem, Rechtsmittel gegen die Verfügung der FMA zu ergreifen. Quantum Leben ist seit 2004 in Liechtenstein tätig und vertreibt Versicherungen über ihre Partner in mehreren europäischen Staaten.

17. Aug 2010 / 08:56
Geteilt: x
Lesertrend
Meistgelesen
04. Dezember 2016 / 21:04
04. Dezember 2016 / 15:27
04. Dezember 2016 / 21:11
04. Dezember 2016 / 15:47
Meistkommentiert
28. November 2016 / 15:27
15. November 2016 / 08:23
24. November 2016 / 10:30
04. November 2016 / 07:48
Aktuell
05. Dezember 2016 / 00:14
04. Dezember 2016 / 22:56
04. Dezember 2016 / 22:48
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
Weihnachts CD
3 x1 Liechtensteiner Weihnachts-CD zu gewinnen
Facebook
Top