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Völkermord lebt vom Verschweigen

Sie kam auf Einladung der «Tibet-Unterstützung Liechtenstein» und «Writers in Prison ? Liechtenstein», in Zusammenarbeit mit dem Songtsen House, Zürich, nach Liechtenstein: Rebiya Kadeer. Was sie berichtete, war mehr als erschütternd.

Schaan. – Die bekannte Dissidentin Rebiya Kadeer aus Ostturkestan sprach gestern Nachmittag im TaK-Foyer vor Medienvertretern und Parlamentariern über das Schicksal ihres existenzbedrohten Volkes unter der Diktatur der kommunistischen chinesischen Besatzungsmacht, am Abend folgte ein Vortrag im Schlösslekeller. Rebyia Kadeer ist für ihr menschenrechtliches Engagement mehrmals für den Friedensnobelpreis nominiert worden. Im Juni 2007 ist ihre Autobiografie unter dem Titel «Die Himmelsstürmerin – Chinas Staatsfeindin Nr. 1» erschienen.
Die muslimische Uigurin Rebiya Kadeer, Jahrgang 1948, ursprünglich Wäscherin, baute eine Kaufhauskette auf und wurde so zu einer der reichsten Frauen Chinas. Ihr Mann erhielt 1996 politisches Asyl in den USA, während Rebiya Kadeer in China ihren Reichtum immer mehr für Projekte zugunsten der Uiguren einzusetzen begann, denn das 20-Millionen-Volk der Uiguren in Ostturkestan leidet seit der gewaltsamen Einnahme durch die Chinesen 1949, ein Jahr später fielen sie dann auch in Tibet ein, an einer mit der Vertreibung und dem Völkermord durch Hitler und Stalin vergleichbaren Verfolgung. Sie ist nun eine Staatsfeindin.

Zehntausende sind verschwunden

Hansjörg Quaderer begrüsste den Gast und die Delegation aus Ostturkestan namens der Tibet-Unterstützung Liechtenstein. Mithilfe eines Dolmetschers berichtete und antwortete sie auf Fragen. «Unser Volk lebt in einem offenen Gefängnis», berichtete Rebiya Kadeer, das Volk werde unterdrückt, und seiner Freiheiten und Religionsausübung beraubt. Jährlich schickt das Regime in Peking Hunderttausende Chinesen als «Einwanderer» nach Ostturkestan, zahllos ist die Zahl derer, die im Gefängnis sind, kaum jemals kommt einer lebend wieder heraus. Dabei sei dieses muslimische Volk, wie seine Geschichte beweise, sehr friedliebend, in chinesischer Lesart seien sie jedoch Terroristen, wenngleich diese seit Jahrzehnten geäusserte Behauptung noch nicht einmal bewiesen werden konnte.

Mehr Geschäfte, mehr Unterdrückung

Chinas wirtschaftliche Macht habe das Regime skrupelloser gemacht und die Unterdrückung verschärft. Nur Druck von Regierungen und Menschenrechtsorganisationen bringt Erleichterung und gewisse Freilassungen. Weltweit erschweren wirtschaftliche Interessen es aber, dass Chinas Menschenrechtsmissachtungen angeprangert werden. Die chinesischen Kommunisten würden nur auf Härte reagieren, Ängstlichkeit lässt sie auftrumpfen. Auch bei Wirtschaftsverhandlungen würden sie nur dann solche Forderungen nachgeben, wenn das Geschäft sonst nicht zustande zu kommen droht. Ansonsten ist Kopieren und Fälschen für sie ein Prinzip. Zehntausende seien spurlos verschwunden. Die versprochene Autonomie und Zweisprachigkeit sei eine Lüge. Seit 2004 deportiert China jährlich Hunderttausende Mädchen und junge Frauen ins Innere Chinas ohne Rückkehrerlaubnis, angeblich um ihnen Arbeit zu geben, die vorhandenen Arbeitsplätze in Ostturkestan werden durch herangeschaffte Chinesen besetzt.
Die Schreie der Söhne mitangehört …

Rebiya Kadeers Regimekritik mit Verbesserungsvorschlägen vor Partei und «Parlament» wurde zunächst offiziell als «konstruktiv und ehrlich» sehr gelobt – beim Aussteigen aus dem Flugplatz nach der Heimreise wurde sie sogleich verhaftet. In Haft kamen auch ihre elf Kinder und ihre Geschwister, durch Druck von aussen kamen einige in einen Hausarrest frei, zwei Söhne sind noch im Gefängnis, für 9 und 7 Jahre. Man rief Rebiya Kadeer im amerikanischen Exil an und liess sie die Schmerzensschreie ihrer beiden Söhne am Telefon mitanhören. Diese wurden gezwungen, ihre Mutter im Fernsehen als Mörderin zu beschimpfen.
Eine Ausreise ist Uiguren nicht möglich, Zugang zum ohnehin stark zensierten Internet und Telefon verwehrt, wenn sie kritisch eingestellt sind. Ein solcher Text im Internet hat 15 Jahre Gefängnis zur Folge. Im «Parlament» sind die Uiguren zum Schein auch vertreten, dürfen aber nur reden, wenn sie die offiziellen Lügen nachsprechen. Pakistan hat mehrfach geflüchtete Uiguren an China ausgeliefert, Indien jedoch noch nie. China betont, es schaffe im Ausland Arbeitsplätze, besetzte sie aber weitgehend durch Chinesen. In Italien gibt es eine Stadt, deren Bevölkerung bereits zu 70 Prozent aus Chinesen besteht. «Seid wachsam!» mahnte Rebiya Kadeer daher. Was sind die Schwachpunkte Chinas? Antwort: «Tibet und die Uiguren». Woher nimmt sie die Kraft für diesen unendlichen Kampf in der Welt? Nun unter Tränen sagt sie: Als Mutter und Angehörige ihres Volkes könne sie doch nicht anders … (vv)

28. Nov 2010 / 22:20
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