• Ein verletzter Mann wird nach einem Selbstmordattentat in Kabul in ein Spital gebracht.
    Ein verletzter Mann wird nach einem Selbstmordattentat in Kabul in ein Spital gebracht.  (KEYSTONE/AP/RAHMAT GUL)

Viele Tote bei Anschlagsserie in Kabul

Ein Selbstmordattentäter hat sich in einem schiitischen Kulturzentrum in der afghanischen Hauptstadt Kabul in die Luft gesprengt und mindestens 41 Menschen mit in den Tod gerissen.
Kabul. 

Als dann Menschen zu Hilfe eilten, seien vor dem Haus zwei weitere Bomben gezündet worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Zahlreiche Menschen seien verletzt worden. Auch der Attentäter starb.

Ein Vertreter der Gemeinde, Mohammed Ali, sprach am Abend von mehr als 50 Toten. "Keiner, der in diesem Kellerraum sass, ist heil dort herausgekommen", sagte er. "Alle sind jetzt entweder tot oder verletzt."

Über sein Sprachrohr Amaq teilte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit, das Zentrum sei Ziel des Selbstmordattentats und von drei Bomben gewesen. Bei den weiteren Bombenexplosionen wurde nach Angaben der afghanischen Behörden niemand getötet.

Schwere Verbrennungen

Zahlreiche Menschen erlitten bei dem Anschlag schwere Verbrennungen. In einem Spital spielten sich dramatische Szenen ab, viele Menschen suchten verzweifelt nach verletzten Angehörigen. Manche schrien und verfluchten laut die Regierung, der sie vorwerfen, den regelmässigen Anschlägen keinen Einhalt gebieten zu können.

Ein Student, der bei dem Anschlag in der zweiten Reihe der Veranstaltung sass, sagte dem Sender Tolo News: "Nach der Explosion war Feuer und Rauch in dem Gebäude, und jeder bettelte um Hilfe." In dem Kulturzentrum wurde zum Tatzeitpunkt eine Veranstaltung zum 38. Jahrestag des sowjetischen Einmarschs in Afghanistan abgehalten.

Das Kulturzentrum befindet sich in der Nähe der Nachrichtenagentur Afghan Voice Agency. In ersten Berichten war vermutet worden, dass die Agentur Ziel des Anschlags gewesen sein könnte. Auf der Facebook-Seite der Agentur waren Fotos von Räumlichkeiten mit Trümmern und auf dem Boden liegenden Leichen zu sehen.

500 Tote seit Januar

Kabul gilt inzwischen als einer der gefährlichsten Orte für Zivilisten in Afghanistan. Seit Januar 2017 gab es dort nun mehr als 20 schwere Attentate. Mehr als 500 Menschen wurden getötet. Die Anzahl der Toten und Verletzten zusammengenommen liegt wohl weit über 1000.

Erst am Montag waren mindestens sechs Menschen bei einem Selbstmordanschlag vor einem Gelände des afghanischen Geheimdienstes getötet worden. Der IS reklamierte auch diesen Anschlag für sich. In diesem Jahr verübte die Terrormiliz in Kabul genauso viele, wenn nicht mehr Anschläge als die radikalisamischen Taliban, die zahlenmässig weitaus stärker sind als der IS. (sda/afp/dpa)

28. Dez 2017 / 08:41
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